Navigation und Service

Bildfabriken. Infografik 1920–1945. Fritz Kahn, Otto Neurath et al. // Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums // Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig// 8. September 2017 bis 8. April 2018

Vom 8. September 2017 bis 8. April 2018 zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt die Anfänge der Infografik am Beispiel zweier unverwechselbarer Bildsprachen. Aus unterschiedlichen Traditionen heraus entwickeln der österreichische Ökonom Otto Neurath, der 1918 Museumsdirektor in Leipzig wurde, und der in Halle geborene Mediziner Fritz Kahn fast zeitgleich ihre abstrakten Bilderwelten, die auf einer formalen Stilisierung des menschlichen Körpers beruhen. Die Ausstellung setzt die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen erstmals umfassend in Beziehung zueinander: als ein jeweils spezifischer Beitrag zum "Iconic Turn" dieser Epoche mit ihrem starken Interesse an einer Internationalisierung von Wissenschaft und Wissensvermittlung.

Spätestens seitdem die New York Times 2002 für Infografiken zu 9/11 mit der höchsten Auszeichnung für Journalisten – dem Pulitzer Preis – gewürdigt wurde, ist klar: Die Infografik ist in der heutigen Medienwelt angekommen. Ihre Wurzeln aber gehen in die Zeit um 1900 zurück: Angesichts einer immer unübersichtlicher werdenden Informationsflut begann man, komplexe Zusammenhänge in einfache Bilder zu übersetzen. Eine mehr und mehr globalisierte Weltsicht bediente sich grafischer Mittel, um die Welt zu erklären. Die Nachfrage nach visueller Kommunikation stieg seit Anfang des 20. Jahrhunderts sprunghaft: Der Unübersichtlichkeit gesellschaftlicher Prozesse stand die Suche nach einfachen Ordnungen und Orientierung gegenüber, die eine neue Bilderwelt in Kunst und Design hervorbrachte.

Die Ausstellung "Bildfabriken. Infografik 1920 – 1945: Fritz Kahn, Otto Neurath et al.", die von der Kulturstiftung des Bundes im Programm Fellowship Internationales Museum gefördert wurde, thematisiert diesen Visualisierungsschub im frühen 20. Jahrhundert und nimmt zwei spezifische Antworten der damals sich neu etablierenden Informationsgrafik in den Blick. Während Neuraths Konzept der "Isotype" (International System of Typographic Picture Education) Piktogramm-ähnliche Grafiken als Zähleinheiten für soziale Gegebenheiten entwickelt, zielen Kahns "Fabriken des menschlichen Körpers" auf mechanistisch aufbereitete Prozessdiagramme, in denen der Mensch zum "Industriepalast“ wird.

Die beiden Protagonisten teilen das Schicksal, als Exilanten durch die Welt gejagt worden zu sein. Beide waren als Mitbürger jüdischen Glaubens der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Aufgrund langer Exilwege, aber auch wegen beruflicher Umorientierungen, war ihr Leben durch zahlreiche Brüche und Ortswechsel gekennzeichnet.

Nach dem Motto Otto Neuraths "Words devide, images unite" bringen Infografiken als in Form und Farbe prägnante, sprachunabhängige Bildzeichen bis heute komplexe Informationen auf den Punkt. Insofern leistet die Ausstellung mit den historischen Positionen Otto Neuraths und Fritz Kahns auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte um eine neue Informationsökonomie.

Die zweisprachige Ausstellung gliedert sich in acht Module: Idee & Maschine, Der neue Körper, Bilderfinder, Ideen auf Weltreise, Isotype: Zeichen der modernen Welt, Weltbild, Visuelle Bildung und Infografik und Medien. Sie zeigt nicht nur Publikationen aus den reichen Beständen der Deutschen Nationalbibliothek, sondern präsentiert auch unikale Objekte aus dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek und aus US-amerikanischen und britischen Archiven – allen voran dem Leo Baeck Institut, New York und der Universität Reading, UK.

Information und Kontakt

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Feiertage 10–18 Uhr, am 1. Januar 2018 und vom 15. bis 22. Januar 2018 geschlossen
Führung: Freitag, 5. Januar 2018, 15 Uhr
Eintritt frei

Zu der im Programm Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes geförderten und in Kooperation mit der Universität Erfurt entstandenen Ausstellung erscheint im Verlag Spectorbooks Leipzig ein von der Kuratorin Helena Doudova gemeinsam mit Stephanie Jacobs und Patrick Rössler herausgegebenes zweisprachiges Begleitbuch, das durch die Gesellschaft für das Buch e. V. großzügig unterstützt wurde. Es ist zum Preis von 24 Euro im Museum erhältlich.


Besucherinformation

Gefördert im Programm Fellowship Internationales Museum der

Logo Kulturstiftung des Bundes


In Kooperation mit der Universität Erfurt

Letzte Änderung: 15.12.2017

Diese Seite

Schriftbanner mit Deutscher Nationalbibliothek Leipzig, Frankfurt am Main