Navigation und Service

Kulturtransfer von Südkorea nach Leipzig

Eine Schenkung des Early Printing Museums Cheon-Ju zur koreanischen Drucktechnik für das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts leitete eine neue Medienära ein. Doch in Korea wurde schon im Jahre 1377 ein Buch mit beweglichen Lettern gedruckt.

Für die verständliche Darstellung kulturtechnologischer Prozesse reichen Text und Bild oft nicht aus. Für die frühen chinesischen Experimente mit beweglichen Druckstempeln aus Ton, die dem Schmied Bi Sheng um 1040 zugeschrieben werden, ist in der Kulturhistorischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums ein Nachweis in Objektform vorhanden. Es handelt sich um eine Nachbildung der ursprünglichen Eisenform, in der einzelne Tonstempel mit Wort-Bild-Zeichen zu einem Textblock angeordnet und für den Abklatsch mit Harz fixiert sind.
Für die frühe koreanische Methode des Druckes mit beweglichen Metall-Lettern, die seit 1377 belegt ist, fehlten bislang objekthafte Belege im Bestand. Mit einer großzügigen Schenkung des Early Printing Museums Cheon-Ju konnte diese Lücke nun geschlossen werden. Diverse Rohmaterialien zur Herstellung von Matrizen sowie rund 450 originalgetreue Nachbildungen von diversen Gussformen, Letternästen, Metalltypen bis zur montierten Druckform ermöglichen eine lückenlose Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte der Typenherstellung im Wachs- und im Sandgussverfahren. Neben zusätzlichem Bild- und Filmmaterial zur Letternherstellung gehört auch ein Faksimile des berühmten "Jikji Simche Yojeol" (Gesammelte Predigten des Zenbuddhismus) zur Schenkung. Dieses Buch gilt als ältester bekannter Beleg für den Einsatz beweglicher Metall-Lettern (aus Kupfer) in Korea. 1377 wurde es in chinesischer Schriftsprache im Heungdeok-Tempel von Cheong-Ju gedruckt. Im Unterschied zur europäischen Buchdrucktechnik mit mechanischen Druckerpressen, erfolgte der Frühdruck im ostasiatischen Raum über Abklatsch bzw. Abrieb mit Holzbrettern oder per Hand. In Chenong-Ju, dem Fundort des "Jikji", wurde 1992 zu Ehren des koreanischen Frühdrucks das Early Printing Museum gegründet.

Materialien aus der umfangreichen Schenkung werden in Auswahl und in Gegenüberstellung zur Gutenbergschen Technik in der künftigen Dauerausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums zu sehen sein. Die Präsentation, die im Frühjahr 2012 im Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek eröffnet wird, erzählt unter dem Motto "Schriften - Bücher - Netze. Medien prägen Kultur" ein Stück Menschheitsgeschichte von der Entstehung der Schrift über den Buchdruck mit beweglichen Lettern bis zur digitalen Netzwelt.

Letzte Änderung: 18.11.2011

Diese Seite

Schriftbanner mit Deutscher Nationalbibliothek Leipzig, Frankfurt am Main