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Wasserzeichen

Wasserzeichen sind ein Merkmal europäischer handgeschöpfter Papiere seit dem späten 13. Jahrhundert. Auf den wenig zuvor erfundenen starren Papierschöpfformen mit Metalldrahtbespannung konnte man aus Draht gebogene Zeichen und Figuren anbringen.

Beim Schöpfen des Papierbogens lagerte sich an diesen Stellen weniger Faserstoff ab. Beim Betrachten gegen Licht zeichneten sich diese Figuren im fertigen Papier als helle Linien ab. Diese Wasserzeichen waren ein Qualitätszeichen, die auch über Erzeuger und Papierformate Auskunft geben konnten.

Die Wasserzeichensammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums wurde 1897 von Dr. Karl Theodor Weiß begonnen. Sie enthält sowohl originale Papiere als auch Wasserzeichenreproduktionen (Handpausen, Kopien) und dient als hilfswissenschaftliche Datenbasis für die Echtheitsprüfung sowie bei der Herkunfts- und Altersbestimmung von Papieren.

Weitere Wasserzeichensammlungen des Museums

  • Wasserzeichensammlung der ehemals in Mainz ansässigen Forschungsstelle Papiergeschichte
  • Wasserzeichensammlung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig
  • Wasserzeichensammlung der Königlich Sächsischen Bibliographischen Sammlung
  • Wasserzeichensammlung Rokita
  • einige kleinere, ehemals in Privatbesitz befindliche Sammlungen

Das Erscheinungsbild von Wasserzeichen hat sich im Lauf der Jahrhunderte deutlich gewandelt. Ursprünglich wurden ausschließlich gerippte Papiere angefertigt. Beim Entwässern des Papierstoffs bildeten sich so genannte Schatten, das heißt dunklere Zonen entlang der Kettlinien der Schöpfform.

Später gelang findigen Schöpfformenbauern mittels zweier übereinander angebrachter Drahtgitternetze die Herstellung schattenloser Papiere.

Im späten 18. Jahrhundert kamen ungerippte Papiere auf (Velinpapier), wozu die Schöpfform mit einem engmaschigen Drahtgewebe bespannt wurde. Da die Wasserzeichen in ihrer Bildwirkung weder durch Rippung noch durch Stege beeinträchtigt werden, treten sie im Velinpapier besonders deutlich hervor.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitete sich die Maschinenpapierproduktion. Es dauerte jedoch einige Jahrzehnte, bis man gelernt hatte, auf den verschiedenen Papiermaschinentypen Wasserzeichenpapier zu produzieren.

Auf mit Rundsiebpapiermaschinen gefertigtem Papier befindet sich das Wasserzeichen wie beim handgeschöpften Papier auf der Siebseite. Bei Langsiebpapiermaschinen drücken Siebwalzen (Egoutteure) das Wasserzeichen von oben in die noch feuchte Papierbahn. Durch entsprechende Techniken gelingt es, mehrere Helligkeitsabstufungen zu erzielen.

Die ganze Fläche des Papiers ausfüllende Wasserzeichen werden vor allem für Wertpapiere (Schecks, Aktien, Briefmarken etc.) produziert. Sie dienen als Sicherheitsmerkmal, das Fälschungen wenn nicht verhindern, so doch stark erschweren soll.

Eine besondere Spezialität weniger Papierfabriken sind große Teile des Papierbogens zierende, in Wasserzeichentechnik umgesetzte Bildinhalte.

Heute hat das Wasserzeichen - wenn man von Sicherheitswasserzeichen in Banknoten und Wertpapieren absieht - seine ökonomische Funktion weitgehend verloren. Umso freier können nun aber moderne Handpapiermacher und Papierkünstler die Wasserzeichentechnik als Gestaltungsmittel einsetzen.

Ziel der Papierhistorischen Sammlungen ist es, Wasserzeichenpapiere in ihrer ganzen Vielfalt zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Schmidt, Frieder: Maschinenpapierwasserzeichen in den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums urn:nbn:de:101-20111011154
Schmidt, Frieder: Papiermacher und ihre Wasserzeichen urn:nbn:de:101-20131121155

Letzte Änderung: 7.4.2014

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