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Nachrichten aus den Exilsammlungen

Reichsausbürgerungskartei

Verzeichnis der Personen, denen die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden ist. - Berlin : Reichsführer SS und der Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern.
Signatur: 1938 A 8858

Lange Zeit galten sie als vermisst, nun sind die 14 Karteikästen der Ausbürgerungskartei wieder im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek. Das Bundesarchiv in Berlin hatte diese Karteikästen, die vermutlich bereits 1945 durch die Sowjetische Militäradministration aus dem Bestand der Deutschen Bücherei entfernt worden waren, aus dem Aktenbestand des Ministeriums des Innern der DDR übernommen. Da der Eigentumsnachweis "Deutsche Bücherei" vorhanden war, konnten die 14 Karteikästen an die Deutsche Nationalbibliothek zurückgeführt werden. In den hauseigenen Werkstätten wurden sie wieder instand gesetzt und sind jetzt in der Sammlung Exilliteratur 1933 - 1945 am Standort Leipzig benutzbar.

In dieser gedruckten Blattsammlung wurden Personen verzeichnet, denen in den Jahren 1933 bis 1941 die deutsche Staatsangehörigkeit durch das Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 aberkannt worden war. Die Kartei umfasst die Lieferungen 1 vom 11.5.1938 bis Lieferung 212 vom 25.4.1944.

Die Ausbürgerung, d.h. die zwangsweise Entziehung der Staatsbürgerschaft, war eines der juristischen Instrumente der Nationalsozialisten gegen politische Gegner und ganz besonders gegen die Juden. Schon 1920 war im Parteiprogramm der NSDAP verlangt worden, der jüdischen Bevölkerung die Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Erste Listen entstanden bereits im Mai 1933, erstellt von der damals neugegründeten Geheimen Staatspolizei. Diese "Namenskartothek" der Emigranten ging jedoch bei Kriegsende im Reichssicherheitshauptamt in Berlin verloren.

Am 14.07.1933 - vier Monate nach dem "Ermächtigungsgesetz" (Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24.03.1933) - wurde dann das Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit erlassen. Die Veröffentlichung der Namen ausgebürgerter Personen erfolgte

im Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger (mit verschiedenen Sonderlisten u. a. für Prominente und mit Berichtigungslisten)
im Reichssteuerblatt (aus fiskalischen Gründen)
in hektographierten Listen des Auswärtigen Amtes (für die Botschaften und Konsulate)
im "Gesamtverzeichnis der Ausbürgerungslisten 1933 - 1938" / zusammengestellt und bearbeitet von Carl Misch. - Paris : Verlag der Pariser Tageszeitung, 1939
Der Reichanzeiger gilt hierbei als das vollständige Dokument.

Allein auf der Grundlage dieses Gesetzes wurden zwischen dem 25. August 1933 und dem 7. April 1945 rund 39.000 deutsche Emigranten ausgebürgert. Nachfolgende Verordnungen verschärften die Ausbürgerungskriterien ständig, so zum Beispiel die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941, durch die auch alle außerhalb der Staatsgrenze lebenden Personen ihre Staatsangehörigkeit verloren, also auch die in die Vernichtungslager im Osten deportierten Juden. Durch diese Massenausbürgerung wurde schätzungsweise 250.000 bis 280.000 deutschen Juden automatisch ihre deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und ihr Vermögen eingezogen.

Quellen:

  • Siehr, Sabine: Das Recht auf die Deutsche Staatsbürgerschaft für ausgebürgerte deutsche Juden und ihre Nachkommen / von Sabine Siehr und Daniel Eichmann. - S. 89-94. In: Zeitschrift für Ausländerpolitik : ZAR. - 22(2002)3
  • Die Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger 1933 - 45 nach den im Reichsanzeiger veröffentlichten Listen = Expatriation lists as published in the "Reichsanzeiger" 1933 - 45 / hrsg. von Michael Hepp. - München ; New York ; London ; Paris : Saur, 1985

Letzte Änderung: 30.1.2014

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