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Rückblick auf die Ausstellungseröffnung am 29. August 2012

Schirmherrin der Schau war die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. In ihrer Eröffnungsrede schilderte sie ihre eigenen Erfahrungen der Flucht aus Rumänien und die behördlichen Schikanen bei einem abweisenden Empfang in Deutschland. Eindrücklich vermittelte sie die Aktualität des komplexen Themas Exil und die Bedeutung eines noch immer fehlenden Exil-Museums in Deutschland: "Nirgends in diesem Land gibt es einen Ort, an dem man den Inhalt des Wortes Exil an einzelnen Schicksalen entlang darstellen kann. Das aber wäre Deutschland seiner Geschichte schuldig." (Herta Müller: Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Fremd bin ich den Menschen dort", 29.8.2012)
Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, hatte zuvor in ihrer Begrüßung auf den Aufbau der virtuellen Ausstellung Künste im Exil hingewiesen, die, initiiert und unterstützt von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, derzeit realisiert wird.
Professor Dr. Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, das als Kooperationspartner in die Ausstellung eingebunden war, hob in seiner Rede die große Bedeutung der Exil-Sammlungen beider Institutionen hervor.
Dr. Sylvia Asmus, Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933-1945, führte in die Ausstellung ein. "Die Wahl des Aufnahmelandes basierte meist nicht auf einem Wunsch, sondern war häufig allerletzte Chance, sagt die Leiterin des Archivs und Kuratorin der Schau, Sylvia Asmus" (Katharina Sperber: "Vertrieben und Vergessen", Frankfurter Rundschau, 31. August 2012)
Als Zeitzeugin war die 1915 in München geborene Dora Schindel aus Bonn angereist. Sie berichtete über die gelungene Flucht einer Gruppe von 48 Personen nach Brasilien, die sie gemeinsam mit dem Politiker und Wissenschaftler Hermann M. Görgen organisierte. Sie erzählte "...ihre Exil-Geschichte bemerkenswert prosaisch – und mit erklecklichem Humor, wie sie Passfälscher finden, ihre Identität verschleiern und schnell im Zukunftsland Portugiesisch lernen musste, weil der Gebrauch der deutschen Sprache dort unter Strafe stand [...] Am Ende danken ihr die rund 350 Zuhörer mit stehenden Ovationen minutenlang." (Katharina Sperber: "Vertrieben und Vergessen", Frankfurter Rundschau, 31. August 2012)
Musikalisch begleitet wurde der Abend von dem Frankfurter Cellisten Frank Wolff, der eigens zur Ausstellung eine musikalische Neukomposition zum Thema Exil vorstellte. "'In der Fremde" heißt ein anderes Stück, das Wolff bei Max Kirschners Enkelin in Amerika aufgenommen hat. Er hat es komponiert zur Eröffnung der Ausstellung "Fremd bin ich den Menschen dort" in der Deutschen Nationalbibliothek, in der Emigranten-Schicksale vorgestellt wurden [...] In Wolffs nächstem Programm und auf seiner nächsten CD wird es das zentrale Stück sein. Bei der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht von 1938 hat er jetzt in der Paulskirche die Komposition in eindrucksvoller Weise vorgetragen." (Hans Riebsamen: "Vom Arztbesuch zum brennenden Cello", FAZ, 21.11.2012).
In einem umfangreichen Begleitprogramm stellte das Deutsche Literaturarchiv Marbach Zeitkapseln aus den eigenen Beständen vor. Den Persönlichkeiten Hilde Domin, Mascha Kaléko und Schalom Ben Chorin wurde jeweils ein Abend gewidmet.
Eine andere Form der Erinnerungsarbeit wählte die Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin Evelin Förster mit ihrer Chanson Text Collage. Sie erinnerte an die Lebensgeschichten von Hilde Loewe Flatter und Ruth Feiner. In biografischen Skizzen, Texten und Liedern wurden die Besucher in die Zeit der 20er und 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts geführt. Unter dem Pseudonym Henry Love schrieb Hilde Loewe-Flatter die Musik zum weltbekannten Evergreen "Das alte Lied", das Richard Tauber nach jedem Konzert als Zugabe sang. Auch die Autorin Ruth Feiner arbeitete unter einem männlichen Pseudonym. Beide Frauen waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gezwungen, aufgrund ihrer "jüdischen Herkunft" zu emigrieren. Professor Wolfgang Benz schließlich ging den Biografien der Emigrantinnen Hertha Nathorff und Ruth Körner nach, deren Nachlässe im Deutschen Exilarchiv liegen. Die Ärztin Hertha Nathorff emigrierte über Großbritannien in die USA, die österreichische Schriftstellerin Ruth Körner musste 1938 nach Großbritannien fliehen.

Zur Finissage konnte der amerikanische Literaturwissenschaftler Professor Guy Stern als Ehrengast im Hause begrüßt werden. Guy Stern, der als 15-Jähriger nach Amerika emigrieren konnte, sprach in seiner Rede über seine eigene bewegende Emigrationsgeschichte. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Gesellschaft für Exilforschung e.V. statt. Ihre Vorsitzende, Dr. Ursula Langkau Alex, verlieh Guy Stern an diesem Abend die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft für Exilforschung.

Die Ausstellung "Fremd bin ich den Menschen dort" wird vom 12. Januar bis zum 26. Mai 2013 im Buddenbrookhaus in Lübeck zu sehen sein.

Letzte Änderung: 17.01.2013

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