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Rückblick auf die Ausstellung

Anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums präsentierte die Deutsche Nationalbibliothek vom 30. August bis zum 20. Oktober 2012 die Ausstellung "Fremd bin ich den Menschen dort" - Ein Blick in die Sammlungen des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 und des Deutschen Literaturarchivs Marbach.

Anhand von 230 Originalexponaten aus dem Bestand des Deutschen Exilarchivs stellte die Ausstellung 16 Lebenswege deutschsprachiger Emigranten / Exilanten im Kontext der zeitgeschichtlichen Ereignisse vor. Einige Dokumente und Objekte des Archivs wurden zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. So die Collage des Berliner Verlegers Leon Hirsch mit dem Titel "Land des Lächelns", eine Persiflage auf den Nationalsozialismus. Auch eine handgearbeitete Tasche von Irma Lange, die als Leitmotiv der Ausstellung diente, wurde zum ersten Mal präsentiert: "Die informative Ausstellung präsentiert auch emotional berührende Objekte – zum Beispiel eine aus Sackleinen zusammengenähte Tasche, auf die Irma Lange ihrem Sohn ihre Emigrationsgeschichte – vom Polizeiverhör ins Internierungslager – in der Art "naiver" Malerei aufstickte oder mit farbigem Filz aufnähte. Naiv ist daran im Rückblick freilich gar nichts." (Rudolf Walther: "Sie waren nur geduldet", TAZ, 14.9.2012)

Bild- und Filmaufnahmen sowie ein ausführlicher Audioguide ermöglichten einen intensiven Einblick in das Leben der Emigrantinnen und Emigranten.

Heimatverlust, das Verhaftetbleiben in der alten Kultur, der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, das Schicksal der geraubten Karriere oder die gelungene Akkulturation und berufliche Chance im Aufnahmeland - jede Biografie verdeutlichte unterschiedliche Aspekte von Exil und Emigration. Wie die Emigration im Einzelfall verlief, war von unterschiedlichen Faktoren abhängig, dies zeigten die Biografien deutlich: Beruf, Alter, Herkunft, Erlebnisse in NS-Deutschland, Zeitpunkt der Emigration, Aufnahmeland, persönliche Möglichkeiten und anderes mehr bestimmten den Verlauf. Die Gestaltung der Ausstellung durch das Münchner Architekturbüro unodue korrespondierte mit der Situation der Emigranten: "Wie im Ozean treibende Inseln gruppieren sich die in amorphe Formen zugeschnittenen sechzehn Vitrinen ohne erkennbare Ordnung um eine in der Mitte des Saals ausgebreitete Weltkarte" (Volker Breidecker: "Flucht vor dem Unerträglichen", Süddeutsche Zeitung, 1./2.September 2012). Von oben betrachtet wirkten die Vitrinen wie treibende Schollen und spiegelten damit Suche, Halt-, Orientierungs- und Richtungslosigkeit. Mittels vergrößerter Porträtfotografien der Emigranten, die auf Paneelen auf den Vitrinen positioniert waren, waren die vorgestellten Persönlichkeiten im Raum präsent und blickten den Besucher an. "Wie in einer Wartehalle, fremde Menschen zusammen, oberflächlich verbunden durch ihnen allen gleiche äußere Umstände." (Constanza Puglisi und Florian Wenz, unodue, 14.8.2012)

Letzte Änderung: 17.01.2013

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