Navigation und Service

Einführung und Sammlung

Mit Inkrafttreten des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) vom 22. Juni 2006 (BGBl. I S. 1338) hat die Deutsche Nationalbibliothek den Auftrag der Sammlung, Erschließung, Verzeichnung und Archivierung von unkörperlichen Medienwerken (Netzpublikationen) erhalten. Die Erweiterung des gesetzlichen Sammelauftrags führte zu einer Neufassung der Pflichtablieferungsverordnung und der Sammelrichtlinien.

Der Begriff "Medienwerke in unkörperlicher Form" steht synonym für Netzpublikationen oder auch Online-Publikationen. Darunter werden elektronische Veröffentlichungen verstanden, die über ein öffentliches Netz, heute über das Internet, verfügbar sind. In einer weiten Auslegung stellt alles, was online über ein öffentliches Netz angeboten wird, ein Medienwerk dar. Dieses Medienwerk kann sowohl einer gedruckten Veröffentlichung bzw. einer Veröffentlichung auf einem physischen Datenträger entsprechen als auch eine webspezifische Form haben.

Deshalb umfasst die Sammelpflicht sowohl Internetpublikationen mit Entsprechung zum Print-Bereich als auch web-spezifische Medienwerke. Beispiele für Netzpublikationen sind E-Books, elektronische Zeitschriften, Hochschulprüfungsarbeiten, Musikdateien, Hörbücher, Digitalisate oder auch Webseiten.

Es gibt Einschränkungen bei der Sammelpflicht. Dazu gehören z.B. zeitlich begrenzte Vorabveröffentlichungen, reine Software- oder Anwendungstools und auch Fernseh- und Hörfunkproduktionen.

Ebenso werden Netzpublikationen, die rein gewerblichen Zwecken dienen, nicht gesammelt. Darunter fallen Webseiten mit Darstellungen der Dienstleistungen und Angebote einzelner Unternehmen für Kunden. Rein private Webseiten (Beispiel: private Fotos oder Urlaubsbeschreibungen) sind ebensowenig sammelpflichtig wie Blogs ohne Themenbezug. Die Einzelheiten sind in der Pflichtablieferungsverordnung und dem Teil 2.2 der Sammelrichtlinien geregelt.

Die Deutsche Nationalbibliothek geht beim Aufbau der Sammlung von Netzpublikationen stufenweise vor. Zunächst wird die einzelobjektbezogene Sammlung von Netzpublikationen mit Entsprechung zum Printbereich vorangetrieben. In einem weiteren Schritt werden automatisierte Verfahren zur Sammlung ganzer Gruppen von Objekten, wie etwa vollständiger Websites, entwickelt.

Im ersten Schritt wurden bereits verschiedene Ablieferschnittstellen implementiert und ein Metadaten-Kernset für verschiedene Publikationsgattungen und verschiedene Datenformate entwickelt.

Digitalisate

Nach der gesetzlichen Sammeldefinition "... alle Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die in öffentlichen Netzen zugänglich gemacht werden ..." sind auch Digitalisate älterer Veröffentlichungen, die im Internet zugänglich gemacht werden, sammelpflichtig. Von der Ablieferungspflicht betroffen sind damit z.B. alle deutschen Bibliotheken, Archive und sonstigen Einrichtungen, die berechtigt digitale Formen ihres Bestandes ins Netz stellen, ebenso wie Verlage mit einem Sitz in Deutschland, die ihre retrospektiven Bestände digitalisieren. Auch Medienwerke, deren ursprüngliche Ausgabe nicht sammelpflichtig war, werden so - wie früher bei den Reprints - in der digitalisierten Form sammelpflichtig.

Musik

Seit Mitte 2011 werden Musikalien in elektronischer Form als PDF gesammelt und können über das Webformular abgeliefert werden. Audiofiles im Bereich Musik sollen primär objektbezogen gesammelt werden, und zwar in Zusammenarbeit mit Partnern bzw. Aggregatoren aus der Musikindustrie, wobei auch hier möglichst auf bestehenden Vertriebswegen aufgebaut werden soll. Dabei können die im Bereich der physischen Tonträger erprobten Kooperationen erweitert werden; beispielsweise durch die Einrichtung von Schnittstellen zu Musikplattformen. Der Sammelauftrag umfasst sowohl Parallelpublikationen (z.B. CD und online Audio-File) als auch reine ("born digital") Netzpublikationen bei Newcomern. Durch das objektbezogene Sammeln soll eine hohe, dem Niveau der CD entsprechende Qualität der gesammelten Audiodateien erreicht werden (WAV-Qualität und vergleichbare Formate).

Weiterführende Informationen

E-Paper

Im Rahmen des im Dezember 2009 begonnenen E-Paper-Projektes ist es gelungen, einen automatischen Workflow zur Sammlung, Erschließung, Bereitstellung und Archivierung layoutgetreuer elektronischer Ausgaben gedruckter Tageszeitungen zu entwickeln und in den Routinebetrieb zu überführen. Auf Basis dieses Workflows können seit Ende 2010 die Ausgaben von inzwischen rund 600 E-Paper-Titeln eingesammelt, im Portalkatalog der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet und der Öffentlichkeit mit einer Verzugszeit von 8 Tagen in den Lesesälen in Leipzig und Frankfurt zur Verfügung gestellt werden. Auf die seit Ende der 1960er-Jahre in der Deutschen Nationalbibliothek geübten Praxis der Verfilmung von Tageszeitungen kann nun ab 2011 immer dann verzichtet werden, wenn ein der Druckausgabe entsprechendes E-Paper gesammelt werden kann.

Weiterführende Informationen

Online-Hochschulprüfungsarbeiten

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt seit Juli 1998 Online-Dissertationen und -Habilitationen, die seit 2011 über die normalen Ablieferschnittstellen an die Deutsche Nationalbibliothek übermittelt werden können. Durch den Einsatz des Formats XMetaDissPlus ist es nun möglich, neben den reinen Hochschulprüfungsarbeiten auch die anderen Veröffentlichungen, die auf den Hochschulservern angeboten werden, zu sammeln.

Weiterführende Informationen zu DissOnline und Online-Dissertationen an der Deutschen Nationalbibliothek

Hinweise zur Ablieferungspflicht von Dissertationen (PDF, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Webseiten

Seit 2012 sammelt die Deutsche Nationalbibliothek ausgewählte Webseiten. Diese werden durch einen Dienstleister über ein automatisiertes Verfahren (Webharvesting) eingesammelt. Beim Sammlungsaufbau strebt die Deutsche Nationalbibliothek auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern an. Zum Thema Blogs kooperieren wir beispielsweise mit der Populis GmbH. Eine Beschreibung der Kooperation ist auf blog.de zu finden.

Veranstaltungen

Letzte Änderung: 17.12.2017

Diese Seite

Schriftbanner mit Deutscher Nationalbibliothek Leipzig, Frankfurt am Main