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Jahresbericht 2007

Von Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann

Die Gesellschaft für das Buch e. V.
Herausragende Neuerwerbungen

Vorbemerkung

Das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Deutschlands in seiner seit 1913 veröffentlichten Form zu sammeln, für immer zu bewahren und für die Nutzung zugänglich zu machen lautet zusammengefasst der Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek. War das schon in der Vergangenheit eine bemerkenswert große Aufgabe, so hat sie mit der Erweiterung des Sammelauftrags auf Netzpublikationen eine neue Dimension erhalten. Die vom Deutschen Bundestag im Jahr 2006 beschlossene Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek bestätigt ihre Rolle als Gedächtnis der Nation und zugleich den Aufbruch in ein neues Informationszeitalter. Im Rückblick auf das Jahr 2007 benennen wir die Arbeitsschwerpunkte, erinnern an herausragende Ereignisse und stellen die statistischen Eckdaten zusammen.

Erweiterungsbau Leipzig

Im Januar 2007 haben mit Umpflanzungs- und Rodungsarbeiten die Vorbereitungen für die Einrichtung der Baustelle für den 4. Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig begonnen. Im April wurde das Baufeld freigemacht, bevor am 15. August mit dem Aushub der etwa 12 Meter tiefen Baugrube begonnen werden konnte. Den vorläufigen Höhepunkt erreichten die Bautätigkeiten mit der Grundsteinlegung am 4. Dezember, an der unter anderem Kulturstaatsminister Bernd Neumann sowie Staatssekretär Dr. Engelbert Lütke Daldrup für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung teilnahmen. Bereits Ende Oktober wurde der Wettbewerb »Kunst am Bau« entschieden. Unter Vorsitz von Prof. Dr. Ulrike Gauss von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart wurde durch die Jury in drei Wertungsrundgängen der Entwurf einer 15 Meter hohen Skulptur aus einem Aluminium-Bänder-Geflecht des Künstlers Prof. Olaf Metzel aus München zur Ausführung empfohlen. Aktuelle Informationen zum 4. Erweiterungsbau sind im Internet unter http://eb4.d-nb.de zu finden. Über drei Webcams lässt sich der Baufortschritt verfolgen.

Netzpublikationen

Die Deutsche Nationalbibliothek hat mit Inkrafttreten des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek im Jahr 2006 den Auftrag der Sammlung, Erschließung, Verzeichnung und Archivierung von Netzpublikationen erhalten. Zum Sammelgebiet Netzpublikationen gehören alle Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die in öffentlichen Netzen zugänglich gemacht werden. Die Abgabepflicht umfasst sowohl Internetveröffentlichungen mit Entsprechungen zum Print-Bereich als auch web-spezifische Medienwerke. Die Entwicklung von Verfahren für den Massenbetrieb der Sammlung, Erschließung und Archivierung von Netzpublikationen erfolgt stufenweise. Gegenstand der ersten Entwicklungsstufe ist die einzelobjektbezogene Sammlung, in der die Deutsche Nationalbibliothek jede abgrenzbare Publikation als eigenständiges Werk betrachtet und erschließt. Dazu fanden 2007 umfangreiche konzeptionelle und technische Entwicklungsarbeiten statt. Das vorhandene Ablieferungsverfahren wurde optimiert, um für die Herausgeber von Netzpublikationen eine mit möglichst geringem Aufwand verbundene Ablieferung zu ermöglichen. Außerdem entwickelte die Deutsche Nationalbibliothek einen automatisierten Geschäftsgang für Onlinepublikationen und ihre Metadaten und definierte ein Metadaten-Kernset für die Ablieferung von Netzpublikationen. Daneben wurde mit der Planung der Erschließung auf Artikelebene, der Integration verschiedener Veröffentlichungsbereiche in das Gesamtkonzept, der Erweiterung um zusätzliche Daten- und Dateiformate sowie der Intensivierung verschiedener Kooperationen begonnen.

Neufassung der Pflichtablieferungsverordnung und der Sammelrichtlinien

Unter der Federführung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erfolgten im Laufe des Jahres 2007 die Ressortabstimmung und daran anschließend die Verbändeanhörung der Pflichtablieferungsverordnung. Detaillierte Abgrenzungen der Ablieferungs- und Sammelpflicht werden in den Sammelrichtlinien geregelt, die derzeit von der Deutschen Nationalbibliothek erarbeitet werden.

Digitale Dienste

Zum 1. Juli wurde die neue Abteilung »Digitale Dienste« eingerichtet, in der die Deutsche Nationalbibliothek die Entwicklung ihrer digitalen Angebote und Serviceleistungen konzentriert. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen dabei die Bedürfnisse derjenigen Nutzer, die über das Internet die Dienste der Bibliothek in Anspruch nehmen. Dazu werden in der neuen Abteilung bereits vorhandene Erfahrungen und Aktivitäten zu digitalen Angeboten und Dienstleistungen organisatorisch zusammengeführt, fachlich weiterentwickelt und in quantitativer sowie qualitativer Hinsicht ausgebaut. So sind beispielsweise die Zentralen bibliografischen Dienstleistungen als Arbeitsgebiet in der neuen Abteilung aufgegangen; Projekte wie die Portalentwicklung oder die Kataloganreicherung sind ebenfalls dort angesiedelt. Die Leitung der Abteilung hat Ute Schwens übernommen.

Digitalisierung

Das 20. Jahrhundert hat den Löwenanteil an allen jemals im deutschen Sprachraum veröffentlichten Druckwerken. Um diese Wissensbestände und den Zugang zu den enthaltenen Informationen auch in der Zukunft zu sichern, ist ein rascher Einstieg in die massenhafte Digitalisierung nötig. Digitalisierungsaktivitäten an Bibliotheken in Deutschland haben heute allerdings vor allem Titel zum Inhalt, deren Urheberrechte bereits abgelaufen sind. Für Werke des 20. Jahrhunderts, die ganz überwiegend noch urheberrechtlich geschützt sind, droht die Gefahr, zukünftig in einer digitalen Welt nicht mehr sichtbar zu sein und als kulturelles Erbe unserer Zeit aus dem Bewusstsein der Menschen zu verschwinden.
Da der Bestand der Deutschen Nationalbibliothek fast ausschließlich aus solchen urheberrechtlich geschützten Werken besteht, hat sie sich im vergangenen Jahr intensiv mit Fragen der Rechteklärung und -verwaltung beschäftigt. Ziel ist es, die Lizenzierung insbesondere für vergriffene (also nicht mehr beim Verlag erhältliche) und verwaiste Werke (solche, bei denen der Rechteinhaber nicht mehr zu identifizieren oder zu lokalisieren ist) zu erleichtern und im Einklang mit den urheberrechtlichen Bestimmungen die Möglichkeit für eine zukünftige Digitalisierung der Bestände der Deutschen Nationalbibliothek zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Verwertungsgesellschaft Wort wurde ein Modell für die Suche nach Rechteinhabern und die anschließende Lizenzierung digitaler Inhalte entwickelt. Diese Aktivitäten fanden in enger Koordination mit entsprechenden Initiativen auf europäischer Ebene statt.

Portal der Deutschen Nationalbibliothek

Der Begriff »Portal« ist zunächst ein Synonym für das Internetdienstleistungsangebot der Deutschen Nationalbibliothek, das aus heterogenen Systemen und Diensten zusammengesetzt ist. Ziel der Portalentwicklung ist es, den Nutzer künftig nicht mehr mit unterschiedlichen Systemen zu konfrontieren, sondern deren Nutzung unter einer einheitlichen Oberfläche zu erlauben. Ein Beispiel dafür ist die Abfrage aller Kataloge mit nur einer Suchabfrage. In der inzwischen beendeten ersten Projektphase wurde eine neue Portal-Rahmenarchitektur erarbeitet, auf deren Basis bereits etliche neue Dienste in Produktion gegangen sind wie beispielsweise der Datenshop, der sich an Bibliotheken und andere Nutzer richtet, die bibliografische Nachweise herunterladen und weiterverarbeiten möchten. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse wurde von der Startseite aus der Punkt »Neugestaltung Kataloge und Services« verlinkt. Dahinter verbirgt sich eine in ständiger Weiterentwicklung befindliche neue umfassende Katalogversion, die die Bestände Leipzigs, Frankfurts und Berlins derzeit inklusive der Sammlung der Historischen Tonträger und einiger Bestände des Exilarchivs zum ersten Mal über einen einzigen Zugriffspunkt durchsuchbar macht.

Kataloganreicherung

In Gesprächen mit dem Deutschen Bibliotheksverband und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte sich die Deutsche Nationalbibliothek bereiterklärt, die Rolle eines zentralen Dienstleisters bei der Verbreitung digitaler Zusatzinformationen zu bibliografischen Daten zu übernehmen. Für die Anreicherung der Daten der Deutschen Nationalbibliografie mit qualitativ hochwertigen Zusatzinformationen (recherchierbare pdf-Dokumente) konnten im Jahr 2007 die Weichen gestellt werden. Ab Jahresbeginn 2008 werden die Inhaltsverzeichnisse der jährlich rund 75.000 monografischen Neuerscheinungen des Verlagsbuchhandels gescannt und als ergänzende bibliografische Daten über das Internet und die Datendienste der Deutschen Nationalbibliothek angeboten. Im Rahmen der bestehenden Kooperation mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH werden zukünftig neben den Daten des VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) auch die entstehenden Zusatzinformationen ausgetauscht.

Standardisierung

Auch 2007 ist die Arbeitsstelle für Standardisierung auf dem Weg zur Internationalisierung der deutschen Regelwerke, Formate und Normdateien entscheidende Schritte vorangekommen. Im Mittelpunkt der Vorbereitungen für den Formatumstieg standen eine Konkordanz von MAB2 nach MARC 21 und die Festlegung von neuen Feldern, die für den Umstieg auf nationaler Ebene notwendig sind. Neben einer Vielzahl anderer Aktivitäten hat die Deutsche Nationalbibliothek zwei Veranstaltungen zum Formatumstieg durchgeführt.
In Zusammenarbeit mit den Expertengruppen des Standardisierungsausschusses wurden drei Stellungnahmen zu Entwürfen des Regelwerkes »Resource Description and Access (RDA)« erarbeitet; es fand eine Beteiligung an der internationalen Diskussion zu wichtigen Grundlagen statt.

Der Erfüllung des Wunsches nach Einführung der Online-Kommunikation mit Normdateien ist die Deutsche Nationalbibliothek im vergangenen Jahr deutlich nähergekommen: Änderungen an Normdaten sollen gleichzeitig in die zentral bei der Deutschen Nationalbibliothek gehaltenen Dateien und in den Verbunddatenbanken vollzogen werden. Seit Anfang September ist die erste Stufe der Online-Kommunikation im produktiven Einsatz: Die PND-Redaktionen in den Aleph-Verbünden arbeiten online zusammen. Das neue Verfahren wird sich auf alle bei der Deutschen Nationalbibliothek geführten Normdaten erstrecken und in einem gestuften Verfahren eingeführt werden.

Die Deutsche Nationalbibliothek war in zahlreichen Standardisierungsgremien zur Weiterentwicklung von Metadatenstandards wie z. B. Dublin Core und ONIX sowie bei den Entwicklungsarbeiten für The European Library beteiligt. Die Projektarbeiten im Projekt KIM - Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten wurden maßgeblich unterstützt. Im Rahmen der Arbeiten zum Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek wurde ein Metadaten-Kernset für die Übermittlung von Metadaten an die DNB entwickelt und in einer ersten Stufe mit einem ONIX-Mapping versehen.

Innerhalb des Projektes »Virtual International Authority File - VIAF« entwickelten die Library of Congress, die Deutsche Nationalbibliothek und OCLC - zunächst für Personennamen - gemeinsam eine virtuelle, internationale Normdatei, in der die Normdatensätze der nationalen Normdateien im Web frei zugänglich miteinander verbunden werden sollen. Die bisherigen Projektergebnisse haben die Machbarkeit einer virtuellen internationalen Normdatei eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Darum haben die Projektpartner in einem neuen Abkommen, das auch die Bibliothèque Nationale de France einschließt, im Oktober 2007 ihr Engagement für den VIAF nochmals bekräftigt und damit eine Konsolidierungs- und Erweiterungsphase eingeleitet.

Zeitschriftendatenbank (ZDB)

Am 1. März begann die Katalogisierung von Zeitschriften und Schriftenreihen in die Zeitschriftendatenbank. Seitdem wurden im laufenden Geschäftsgang zu 9.000 fortlaufenden Sammelwerken Informationen und Bestände erfasst, davon 3.200 Datensätze für bisher nicht in der ZDB vorhandene Titel. In der retrospektiven Datenintegration wurden Angaben von rund 210.000 konventionellen Katalogzetteln aus den Jahren 1913 bis 1973 erfasst sowie rund die Hälfte von 335.000 Titeldatensätzen zu fortlaufenden Sammelwerken, darunter rund 63.000 Schriftenreihen, mit Hilfe eines maschinellen Abgleichverfahrens in die ZDB eingebracht. Die verbleibende Menge muss nun intellektuell überprüft werden. Ein Kernstück der zukünftigen Katalogisierung und der retrospektiven Datenintegration ist das gemeinsame Datenformat, das ebenfalls zum 1. März in der ZDB eingeführt wurde.

DDC Deutsch, Sacherschließungskonzept

Bereits 2006 wurde die Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) für die inhaltliche Erschließung der in den Reihen B und H der Deutschen Nationalbibliografie angezeigten Publikationen eingeführt. Mit Heft 1/2007 hat die DDC auch in die Reihe A (Monografien und Periodika des Verlagsbuchhandels) Einzug gehalten. Die dort angezeigten Publikationen werden zusätzlich wie bisher vollständig mit RSWK-Schlagwortketten erschlossen. Die Deutsche Nationalbibliothek wird damit zum größten europäischen Lieferanten von Dewey-Notationen und nimmt nach der Library of Congress weltweit die zweite Stelle ein. Durch die Integration der Daten der Deutschen Nationalbibliothek in den WorldCat werden Sichtbarkeit und Nutzungsmöglichkeiten dieses Angebots auch über den deutschsprachigen Raum hinaus verbessert. Um den Informationsaustausch unter den europäischen DDC-Anwendern zu verbessern, europäische Belange in der Klassifikation stärker durchzusetzen und die Verbreitung in Europa gemeinsam mit OCLC zu koordinieren, wurde die EDUG (European DDC Users' Group) gegründet.

Corporate Design

Im Laufe des Jahres wurden zusammen mit der Agentur Claus Koch die einzelnen Bausteine für das neue visuelle Erscheinungsbild der Deutschen Nationalbibliothek erarbeitet. Als Auftakt für die Einführung wurde die Neujahrskarte im neuen Layout gestaltet. Ab Januar 2008 wird dann schrittweise das komplette neue Corporate Design eingeführt, Mitte 2008 wird die Umstellung abgeschlossen sein.

Internationale Aktivitäten

Wie in den Vorjahren war die Deutsche Nationalbibliothek auch 2007 auf europäischer und internationaler Ebene sehr aktiv. Sie ist an mehreren EU-geförderten Projekten gleich in doppelter Funktion beteiligt: als Deutsche Nationalbibliothek und als Sitz der Vorsitzenden der Konferenz der Europäischen Nationalbibliothekare (CENL). Die Europäische Kommission betreibt den Aufbau einer Europäischen Digitalen Bibliothek, der Europeana, mit verschiedenen Programmen und Initiativen. Die Europeana soll Bibliotheken, Archive und Museen umfassen und auf bereits vorhandenen Strukturen, vor allem auf The European Library aufbauen, sie bündeln und verbessern. Daher hat CENL das Projekt European Digital Library (EDL project) angestoßen. Im Laufe des Projekts werden die Nationalbibliotheken der neun noch fehlenden EU- und EFTA-Staaten als Vollmitglieder in The European Library aufgenommen. Weitere Arbeitspakete befassen sich unter anderem mit Fragen der Multilingualität und dem Aufbau einer europäischen Metadaten-Registry.

Das ebenfalls in diesem Zusammenhang stehende Projekt EDLnet (European Digital Library network) hat zum Ziel, aus der fragmentierten Landschaft des kulturellen Erbes in Europa den Boden für den Aufbau der Europäischen Digitalen Bibliothek zu bereiten. Hierzu bringt EDLnet Vertreter der vier Kulturbereiche Bibliothek, Archiv, Museum und audiovisuelles Archiv zusammen. Gemeinsam werden die weiteren Schritte auf dem Weg zur Europeana erarbeitet. EDLnet befasst sich mit Fragen der Kooperation zwischen den Kulturbereichen und der semantischen, technischen und organisatorischen Interoperabilität, die es für den Aufbau eines multilingualen Zugangs zum verteilten und vielfältigen digitalen kulturellen Erbe Europas zu lösen gilt.

Darüber hinaus wurde eine Stiftung nach niederländischem Recht, die European Digital Library (EDL) Foundation, gegründet, zu deren Mitgliedern neben CENL große europäische Dachverbände aus dem Museums-, Archiv- und Bibliothekswesen wie LIBER (Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche), CERL (Consortium of European Research Libraries), ACE (Association des Cinémathèques Européennes), FIAT (International Federation of Television Archives), EMF (European Museums Forum), MICHAEL AISBL (Multilingual Inventory of Cultural Heritage in Europe) und ICOM Europe (International Council of Museums, Europe) sowie die Nationalbibliothek der Niederlande als Host der European Digital Library angehören. Vorsitzende der EDL Foundation ist Elisabeth Niggemann.
Die Deutsche Nationalbibliothek ist außerdem am EU-Projekt TELplus beteiligt, das zum einen die Funktionalität von The European Library wesentlich ausweiten und verbessern und zum anderen die beiden neuen EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien als Vollmitglieder integrieren wird.

Benutzung

Von mehr als 37.000 Benutzerinnen und Benutzern wurden in der Deutschen Nationalbibliothek an 295 Öffnungstagen 883.000 Bestellungen aufgegeben. 46.000 bibliografische Anfragen wurden schriftlich oder telefonisch beantwortet. Seit 2007 stellt die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt am Main ihren Benutzerinnen und Benutzern ein drahtloses Netzwerk (WLAN) als Zugang zum Internet gebührenfrei zur Verfügung - ein Angebot, das sofort sehr gut angenommen wurde.

Bestand und herausragende Neuerwerbungen

Der Bestand der Deutschen Nationalbibliothek wuchs im Berichtsjahr um rund 588.000 Einheiten auf insgesamt 24,1 Millionen Einheiten. Der Bestand der Online-Hochschulschriften stieg um rund 11.000 auf 60.300 Einheiten. Zur Unterbringung des Zugangs gebundener Bände benötigt die Deutsche Nationalbibliothek 7.200 laufende Regalmeter, außerdem ist der Zugang von 587.000 Zeitschriftenheften unterzubringen.

Das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 erwarb unter anderem ein Konvolut von acht Briefen Klaus Manns an den befreundeten Publizisten Franz Goldstein, mehrere Briefe von Stefan Zweig sowie zehn neue Nachlässe und Teilnachlässe, beispielsweise den Nachlass des Soziologen und Politologen Sigmund Neumann, und erweiterte viele bereits vorhandene Bestände mit wertvollen Neuzugängen.
Bei den Neuerwerbungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums sind vor allem die Vorlässe Paul Zimmermann sowie Hans Ticha zu nennen. Die Schenkung des Leipziger Künstlers Paul Zimmermann enthält neben Entwürfen für Satzschriften und Buchumschlägen insbesondere freie schriftgrafische Arbeiten. Im Nachklang der Ausstellung »Hans Ticha: Buch & Grafik 1970 - 2006« konnte das Museum mit Unterstützung der Gesellschaft für das Buch ein großes Konvolut von Arbeiten erwerben, das Tichas Bedeutung als herausragenden Illustrator und Buchgestalter belegt. Eine großzügige Schenkung des Künstlers komplettierte die Dokumentation seines illustrativen Werkes in der Deutschen Nationalbibliothek.
Das Deutsche Musikarchiv konnte seine Sammlung an historischen Tonträgern um einige Kostbarkeiten und Raritäten erweitern. Insgesamt wurden 3.476 historische Tonträger erworben, darunter 349 Emile-Berliner-Platten, die Inkunabeln unter den Tonträgern.

Projekte

Nachdem die europäische Kommission am 19. Juli 2007 die öffentliche Förderung des Forschungsprogramms für eine neue internetbasierte Wissensinfrastruktur THESEUS durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie genehmigt hatte, wurde das Projekt offiziell gestartet. Ziel ist die Entwicklung einer semantischen Findmaschine mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung. Die Deutsche Nationalbibliothek bearbeitet im Rahmen des Projekts das Teilprojekt CONTENTUS federführend. Ziel von CONTENTUS ist die Schaffung eines automatisierten Prozesses zur Bereitstellung von multimedialem Wissen. Hierfür werden intelligente Algorithmen entwickelt, die Verfahren zur Qualitätsoptimierung bzw. Restaurierung, Erschließung (durch automatische Metadatenerzeugung) und semantischen Verknüpfung von Büchern, Texten, Bildern, Musik, Tondokumenten und Videos weitgehend automatisieren. Beispielhaft sollen dafür die Materialien des Musikinformationszentrums des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (MIZ) im Deutschen Musikarchiv digitalisiert und elektronisch nutzbar gemacht werden. Umfangreiche Vorarbeiten wurden bereits geleistet. CONTENTUS arbeitet eng mit dem Anwendungsszenario ALEXANDRIA zusammen.

Die Deutsche Nationalbibliothek hat im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt kopal (Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs Digitaler Informationen) von 2004 bis 2007 zusammen mit Partnern ein kooperativ nutzbares Langzeitarchiv aufgebaut. Dazu gehört auch die Verwaltung von Informationen zur Unterstützung von Migration und Emulation im Format LMER (Langzeitarchivierungsmetadaten für elektronische Ressourcen). Zudem entstand mit der Open-Source-Software koLibRI ein nachnutzbarer Rahmen für den Aufbau von Formatmigrationsabläufen. Im ebenfalls vom BMBF geförderten Projekt nestor entsteht unter der Federführung der Deutschen Nationalbibliothek ein Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen für Deutschland.

Unter dem Namen »Aufbau eines ›Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten (KIM)‹ als DCMI-Affiliate im deutschsprachigen Raum« erarbeiten die Deutsche Nationalbibliothek und die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen unter Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft gemeinsam ein Konzept, wie die Zusammenarbeit zwischen lokalen bzw. nationalen Metadatenanwendern und der international etablierten Dublin-Core-Metadata-Initiative gestärkt werden kann.

Die Arbeit der an der Deutschen Nationalbibliothek eingerichteten Koordinierungsstelle DissOnline wird durch zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekte unterstützt. Ziel des Projektes »DissOnline Portal« ist es, Online-Hochschulschriften in einem Portal zusammenzuführen und vernetzt zugänglich zu machen. Schwerpunkt ist die Sammlung, Aufbereitung und Bereitstellung dieser Materialien und das Angebot eigener Recherchesichten, die bisher nirgendwo sonst verfügbar sind.
Das Projekt »DissOnline Tutor« stellt sich drei Hauptziele: Verbesserung der technischen Qualität von langzeitarchivierbaren elektronischen Dissertationen, verbesserter und dauerhafter Zugang zu elektronischen Dissertationen sowie Entwicklung und Vermittlung von Werkzeugen zur Erstellung und technischen Kontrolle dieser Publikationen. Um diese Ziele zu erreichen, wurden für Autoren von Habilitationsschriften und Dissertationen spezifische und fachlich abgestimmte Werkzeuge für Textverarbeitungssysteme und für das Textsatzsystem LaTeX sowie ein Leitfaden zur Erstellung barrierefreier PDF-Dateien entwickelt.

Das Projekt DDC-vascoda wurde 2007 abgeschlossen. Für den Sucheinstieg bei vascoda wurde bislang nur eine Freitextsuche über alle Felder oder eine Expertensuche, bei der die Freitextsuche mit den formalen Kriterien Autor, Titel und (Erscheinungs-)Jahr kombiniert werden kann, angeboten. Die Suche konnte zwar auf einzelne Fächer oder Fachzugänge beschränkt werden, ein sachlicher Zugang zu der Information fehlt jedoch. Vascoda verwendete die Dewey Decimal Classification (DDC) als einheitliches Klassifikationsinstrument. Ziel des Projektes DDC-vascoda war es, über diese Klassifikation einen komfortablen und einheitlichen sachlichen Zugang als Einstieg in das Gesamtangebot einzurichten. Weiterhin wurde ein HTML-Dienst entwickelt, der es Fachportalen und anderen Datenanbietern ermöglicht, ohne großen Programmieraufwand ein DDC-Browsing über die eigenen Daten bereitzustellen.

Ende Januar 2006 startete das von der Deutschen Nationalbibliothek und der Fachhochschule Köln gemeinsam betriebene und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt CrissCross. Das Projekt soll ein multilinguales, thesaurusbasiertes und benutzergerechtes Recherchevokabular schaffen. Hierzu werden die Sachschlagwörter der Schlagwortnormdatei (SWD) mit den Notationen der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) verbunden. Die Multilingualität wird durch die Verknüpfung mit ihren Äquivalenten in den beiden umfassenden Schlagwortnormdateien Library of Congress Subject Headings (LCSH) und Rameau erreicht. Die im Rahmen des Projekts erarbeiteten Festlegungen zur methodischen Vorgehensweise bei der Verknüpfung der DDC mit den SWD-Sachschlagwörtern wurden weiter präzisiert und fortentwickelt. Für die zweite Komponente des Projekts, die Anreicherung der in der Datenbank des MACS-Projekts vorliegenden Verbindungen zwischen LCSH und Rameau um den äquivalenten SWD-Terminus, wurde eine Vervollständigung und eine Verbesserung der Datenbasis erreicht und Tests der Verlinkung durchgeführt.

Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt »Bernstein - das Gedächtnis der Papiere«, das die Erstellung einer integrierten europäischen digitalen Umgebung zur Papiergeschichte und dem Wissen über Papier zum Ziel hat, führte zu einem ersten Arbeitsmodell der Datenzusammenführung der wichtigsten europäischen Wasserzeichendatenbanken. Von Seiten der Deutschen Nationalbibliothek konnten wesentliche Zwischenschritte zur Integration der eigenen papiergeschichtlichen und wasserzeichenkundlichen bibliografischen Dokumentation erzielt werden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt »Buchhändler-Porträts«, das auf die Erschließung und Digitalisierung von rund 3.300 druckgrafischen Bildnissen von Buchhändlern, Buchdruckern und Verlegern des 17. bis 20. Jahrhunderts zielt. Dieser bisher nicht veröffentlichte Teil einer Sondersammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek stellt einzigartiges historisches Quellenmaterial zur Buch- und Verlagsgeschichte dar. Der Nachweis der erhobenen bibliografischen Daten und Digitalisate erfolgt laufend im Katalog des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. Darüber hinaus werden ausgewählte Beschreibungsdaten mit digitalen Bildern im elektronischen Bildarchiv Foto-Marburg (http://www.bildindex.de) nachgewiesen.

Personelles

Für die Deutsche Nationalbibliothek war 2007 ein Jahr der Trauer: Am 19. Juli starb Birgit Schneider, Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und Leiterin der dortigen Abteilung Sacherschließung, im Alter von 52 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Am 22. Juli verunglückte Magda Heiner-Freiling, Leiterin der Abteilung Sacherschließung in Frankfurt, im Alter von 57 Jahren während ihres Urlaubs tödlich. Ebenfalls während seines Urlaubs verunglückte Hans Liegmann (Projektleiter in der Langzeitarchivierung) am Ende seiner eineinhalbjährigen Beurlaubungsphase am 22. November tödlich. Tief erschüttert nahm die Deutsche Nationalbibliothek Abschied von den geschätzten Kollegen. Neuer Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wird Michael Fernau. Der heute 52-jährige Jurist leitete seit sechs Jahren die Zentralverwaltung der Deutschen Nationalbibliothek und hat Anfang 2008 die neue Aufgabe übernommen.

Fachveranstaltungen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Nationalbibliothek informieren regelmäßig auf Fachveranstaltungen, Workshops und Messen über derzeitige Aktivitäten, Projektfortschritte und Arbeitsergebnisse. Der 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek, der vom 19. bis 22. März unter dem Motto »Information und Ethik« in Leipzig stattfand und an dessen Gestaltung die Deutsche Nationalbibliothek aktiv beteiligt war, verlief erfolgreich. Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands fand am 20. und 21. April in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main die Konferenz »Herausforderung: Digitale Langzeitarchivierung. Strategien und Praxis europäischer Kooperation« statt und war mit über 300 Teilnehmern sehr gut besucht.
Die Deutsche Nationalbibliothek war 2007 mit einem Stand bei den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt am Main sowie auf dem 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek vertreten.

Kulturelle Veranstaltungen

Sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt am Main hat die Deutsche Nationalbibliothek im Berichtsjahr wieder ein interessantes Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm angeboten. Innerhalb des Rahmenprogramms zur Leipziger Buchmesse ebenso wie rund um die Frankfurter Buchmesse fanden zahlreiche Lesungen statt. Es lasen Tschingis Aitmatow, Christoph Hein, Alberto Manguel, Paul Raabe, Lenka Reinerová, Louise Richardson und Ilka Scheidgen. Gute Rezeption fanden die Ausstellungen »Die Kinder der Manns - Ansichten einer Familie«, »Hans Ticha: Buch & Grafik 1970 - 2006«, »Scala, Bembo, Times und Dolly. Über die Schönheit von Schriftmusterbüchern« sowie »Der Verleger Kurt Wolff - Ein Literat und Gentleman«.

Im Deutschen Musikarchiv wurde im Rahmen eines Sommerfests die Dauerausstellung zur Geschichte des Musiktonträgers eröffnet und dabei auf die Arbeit und Sammlung hingewiesen. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum beteiligte sich auch 2007 an der Leipziger Museumsnacht mit Aktionen rund um das Motto »Augen auf«.

Der Leipziger Standort war 2007 einer der ausgewählten »365 Orte im Land der Ideen«. Am 1. Juni wurde die von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnete Urkunde übergeben und die Ehrentafel an der Fassade montiert. Zahlreiche Besucher kamen zu den Tagen der offenen Tür, zu denen die Häuser in Leipzig und Frankfurt am Main einluden, und informierten sich über das breite Spektrum der Deutschen Nationalbibliothek.

Fakten und Zahlen

Erwerbung (PDF, 31KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Normdateien (PDF, 25KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Nationales ISSN-Zentrum (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Benutzung, Auskunft, Archivierung (PDF, 30KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Bibliografische Dienste (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Spezialsammlungen (PDF, 32KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Deutsches Musikarchiv Berlin (PDF, 24KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Aus- und Fortbildung (PDF, 23KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Haushalt und Personal (PDF, 21KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Öffentlichkeitsarbeit (PDF, 21KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Ausstellungen und Veranstaltungen
Veröffentlichungen
Gremien der Deutschen Nationalbibliothek
Mitarbeit in Gremien

Letzte Änderung: 21.2.2012

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