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Jahresbericht 2009

Von Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann

Drei Fragen
Die Gesellschaft für das Buch e. V.
Herausragende Neuerwerbungen

Vorbemerkung

Netzpublikationen, Digitalisierung, digitale Bibliotheken und Urheberrecht: Das waren die herausragenden Themen der Arbeit der Deutschen Nationalbibliothek im vergangenen Jahr. Wir haben uns an der Weiterentwicklung der Europeana beteiligt und die im Herbst beschlossene Deutsche Digitale Bibliothek mit vorbereitet. Mit der Veröffentlichung der Sammelrichtlinien haben wir das Sammelgebiet der Deutschen Nationalbibliothek auch für die Netzpublikationen abgesteckt. In allen Bereichen haben wir daran gearbeitet, die Deutsche Nationalbibliothek weiterzuentwickeln, um Nutzer, die über das Internet auf unsere Angebote zugreifen, bei ihren Recher-chen zu unterstützen. Viele Entwicklungen beschäftigen sich daher mit einer wachsenden »digitalen Deutschen National-bibliothek«, ohne dabei die klassischen Veröffentlichungsformen aus dem Blick zu verlieren.

Europeana

Mehr als 130 Kulturinstitutionen aus ganz Europa beteiligen sich als Partner an der Europeana und haben den Inhalt der digitalen Bibliothek Europeana bis zum Jahresende auf über 4,5 Millionen Bücher, Landkarten, Aufnahmen, Fotografien, Archivdokumente, Gemälde und Filme aus den 27 EU-Mitgliedstaaten anwachsen lassen. Als Partnerinstitution, aber auch als Sitz der Vorsitzenden der Conference of European National Librarians (CENL) arbeitet die Deutsche Nationalbibliothek an dieser Entwicklung mit. Die Europeana wird von der EDL Foundation getragen, als deren Vorsitzende die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek im November im Amt bestätigt wurde. Europeana v1.0 überführt als Folgeprojekt von EuropeanaNet den Prototyp der Europeana in den dauerhaften Servicebetrieb.

Deutsche Digitale Bibliothek

Neben aggregierenden, also zusammenführenden und zuliefernden Portalen aus einzelnen Fachgebieten ist die Europeana für ihr Wachstum auf nationale digitale Bibliotheken angewiesen. Dazu wurde von der Ministerpräsidentenkonferenz Ende Oktober und dem Bundeskabinett Anfang Dezember der Grundstein für die Errichtung der Deutschen Digitalen Biblio-thek gelegt und die Startfinanzierung aus dem Konjunkturprogramm II der Bundesregierung beschlossen. Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt in Zukunft Datenbanken von über 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland und macht sie über ein einziges nationales Portal zugänglich. Den Vorsitz in der Bund-Länder-Fachgruppe zum Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek hat die Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt inne, daneben engagiert sich die Deutsche Nationalbibliothek in fachlichen Fragen.

Urheberrecht

Die urheberrechtlich einwandfreie Nutzbarkeit von Materialien ist für Online-Bibliotheken, die kulturelles Erbe aus den unterschiedlichsten Bereichen digitalisiert zur Verfügung stellen, in hohem Maße erfolgskritisch. Rechtssicherheit und die Balance zwischen urheberrechtlichem Schutz einerseits und dem gesetzlichen Auftrag der Gedächtnisorganisation andererseits sind aber auch in Bezug auf den Sammelauftrag von unkörperlichen Medienwerken, die Langzeitarchivierung, die Erhaltung von gefährdeten Beständen durch Digitalisierung, die Kataloganreicherung durch digitalisierte Inhaltsverzeich-nisse sowie im Hinblick auf die Erschließung von elektronischen Publikationen von größter Bedeutung. Die Deutsche Nationalbibliothek meldet sich daher auch zu urheberrechtlich relevanten Fragen zu Wort. Dazu gehörten Stellungnahmen im Rahmen der Diskussion um den Dritten Korb des Urheberrechts, zum Umgang mit dem Google Book Settlement, wie auch die Rechteklärung für Werke, deren Rechteinhaber nicht mehr zu ermitteln sind (verwaiste Werke), um diese Werke zugänglich zu machen und gegebenenfalls später bekannt werdende Rechteinhaber angemessen zu vergüten.

Internationale Aktivitäten

Nationale und internationale Aktivitäten von Bibliotheken sind immer engmaschiger vernetzt. Die Deutsche Nationalbibliothek versteht das Engagement in internationalen Gremien und Projekten seit jeher als Teil ihres Auftrags. Mit dem CENL-Vorsitz ihrer Generaldirektorin und der Betreuung des CENL-Sekretariats übernimmt die Deutsche Nationalbibliothek eine führende Rolle bei der Koordination der europäischen Nationalbibliotheksaktivitäten. Im Rahmen des Jahrestreffens der CENL in Madrid wurden die Mitglieder vom spanischen König, Seiner Majestät Juan Carlos I, zur Audienz empfangen. CENL hat im vergangenen Jahr den Informationsdienst der europäischen Nationalbibliotheken The European Library weiter ausgebaut und sich mit diesem Dienst an europäischen Projekten beteiligt. The European Library diente als Modell für den Aufbau der Europeana; CENL ist eines der Gründungsmitglieder sowohl der Europeana-Initiative als auch der Trägerorganisation, der EDL Foundation. Mit dem Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Nationalbibliothek in der internationalen Bibliotheksorganisation IFLA und der Mitarbeit der Generaldirektorin in CDNL, der Conference of Directors of National Libraries, sowie im Board of Trustees von OCLC wird auch die außereuropäische Vernetzung der Deutschen Nationalbibliothek gepflegt.

Netzpublikationen

Für die Sammlung monografischer Netzpublikationen haben sich die Entwicklungsarbeiten im vergangenen Jahr auf automatisierte Ablieferungsverfahren, das so genannte Harvesting, konzentriert. Mit einer beim Ablieferer ebenso wie bei der Deutschen Nationalbibliothek einzurichtenden Schnittstelle konnte mit ersten Verlagen ein System in den Echtbetrieb überführt werden, mit dem zugleich Metadaten und die Veröffentlichungen selbst automatisiert in das Katalog- und Archivsystem übernommen werden.

Für die Sammlung der Hochschulschriften konnten nötige Formaterweiterungen vereinbart und die Vorarbeiten abgeschlossen werden, um ab 2010 alle auf Hochschulservern bereitgehaltenen Netzpublikationen einzusammeln.
Zum Jahresende startete das auf 27 Monate angelegte E-Paper-Projekt zur Sammlung elektronischer Parallelausgaben von Tageszeitungen. Damit soll die bisherige Praxis der Verfilmung von Tageszeitungen so weit wie möglich durch die Sammlung von E-Paper-Ausgaben abgelöst werden.
Seit Oktober 2009 sind Online-Dissertationen auch aus den Beständen der Schweizerischen Nationalbibliothek über das DissOnline-Portal recherchierbar. Von insgesamt 95 Hochschulbibliotheken sind mittlerweile rund 84.000 Dissertationen und 900 Habilitationsschriften abrufbar. Um neben Dissertationen und Habilitationen weitere Hochschul-Netzpublikationen in die Sammlung einbeziehen zu können, hat die Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) das Metadatenfor-mat XmetaDiss gemeinsam mit dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg zu XmetaDissPlus erweitert.

Die Sammlung wichtiger Ausschnitte des Internets wurde mit einem Web-Harvesting zur Europawahl erprobt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen über den technischen und intellektuellen Aufwand sind in ein Konzept zur automatisierten Sammlung ausgewählter Bereiche der vom Sammelauftrag einbezogenen Internetangebote eingeflossen.

Sammelrichtlinien

Im Sommer wurden die aktualisierten Sammelrichtlinien veröffentlicht. Sie spiegeln die Änderungen im Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek vom Juni 2006 und der Pflichtablieferungsverordnung vom Oktober 2008 wider. Die Sammelrichtlinien sind ein Arbeitsinstrument, um den Sammlungsaufbau kontinuierlich nach definierten Kriterien zu steuern. Neu hinzugekommen sind Abgrenzungen bei der Sammlung von Netzpublikationen. Dieser Abschnitt wird regelmäßig überarbeitet werden, um den Stand der Sammeltechnik und Entwicklungen bei Publikationsformen zu berücksichtigen.

Erschließung

Mit der Übernahme der Abteilungsleitung durch Ulrike Junger wurden die Leipziger und die Frankfurter Sacherschließungsabteilungen zu einer gemeinsamen Abteilung Inhaltserschließung zusammengeführt. Um die verbundübergreifende Handhabung der verbalen Erschließung zu ermöglichen, wurden grundlegende Paragrafen der RSWK zur Schlagwortsyntax im Rahmen der Mitarbeit in der Expertengruppe Sacherschließung überarbeitet. Erstmals entsandte die Deutsche Nationalbibliothek eine Mitarbeiterin - als Vertreterin der europäischen DDC-Anwendergruppe - in das Treffen der Editorial Policy Group, die über Änderungen der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) entscheidet und die Herausgeber bei der Weiterentwicklung der DDC berät. Europäische Aspekte gewinnen dadurch mehr Gewicht in der internationalen Klassifizierungsarbeit.

Der auf Netzpublikationen erweiterte und zunehmend mit automatisierten Verfahren ausgeführte Sammelauftrag lässt die Bestände der Deutschen Nationalbibliothek schneller als bisher wachsen. Für die Erschließung des gesamten Zugangs einschließlich der unkörperlichen Medienwerke müssen Konzepte, Arbeitsverfahren und Werkzeuge entwickelt werden, die Nutzererwartungen, Arbeitsaufwand und Ressourcenausstattung in eine neue Balance bringen. Um über den bisherigen Standard hinaus auch Teile von Veröffentlichungen wie Zeitschriftenaufsätze oder CD-Tracks erschließen zu können, wird der Anteil an maschinell oder halbautomatisch erzeugten Metadaten ebenso wie die konsequente Nutzung von beschreibenden Daten aus anderen Quellen wachsen müssen. Software-gestützte Verfahren der automatischen Indexierung und Klassifizierung werden in der Zukunft den Erschließungsprozess unterstützen und dabei helfen, die intellektuelle Erschließung auf das Notwendige zu konzentrieren.
Während auch in Zukunft alle Dokumente mit formal- und inhaltserschließenden Daten versehen werden, kann nicht mehr jede beschreibende Information intellektuell erzeugt oder kontrolliert werden. So werden ab 2010 Metadaten für Online-Publikationen automatisch oder aus Fremddaten generiert. Der Abgleich von Personennamen mit der Personennamendatei PND soll dabei ebenso maschinell erfolgen wie die Vergabe von Sachgruppen; vorhandene Erschließungsdaten von Parallelausgaben werden übernommen.

PETRUS

Seit Beginn des Jahres 2009 führt die Deutsche Nationalbibliothek das Projekt PETRUS -Prozessunterstützende Software für die digitale Deutsche Nationalbibliothek - durch. In diesem Projekt wird ein Stufenmodell zur weitgehend automatischen Erschließung für alle Medienwerke im Sammelauftrag der Deutschen Nationalbibliothek entwickelt.
Neben der Erschließung sind die gestiegenen Anforderungen der Nutzer bei der Suche im Bestand im Blickfeld. Der Umstieg auf neue Methoden ist deshalb auch eng verknüpft mit dem Ziel, das Finden relevanter Literatur- und Informationsquellen besser zu unterstützen und zugleich die Anforderungen der Bibliotheken und Datenprovider, die Daten von der Deutschen Nationalbibliothek übernehmen, zu erfüllen.

Automatisierte oder zumindest teilautomatisierte Verfahren der Datenextraktion, -generierung, -indexierung, -gewichtung und -verknüpfung sollen zunächst für die Netzpublikationen zur Basisform der Verarbeitung werden. Mittelfristig werden sich durch die neuen Verarbeitungsprozesse auch für die traditionellen Medien neue Möglichkeiten der Erschließung eröffnen. Die Erprobung und Einführung neuer Technologien zielt nicht nur auf die formale Beschreibung der Medien, sondern auch - und vor allem - auf die inhaltliche Erschließung. Dabei wird beispielsweise die Schlagwortnormdatei - SWD - als kontrolliertes Vokabular mit einbezogen. Die Anwendung der Normdateien, die als Wissensbasis in die automatischen Verfahren eingebunden werden, und der Klassifizierungsschemata (DNB-Sachgruppen, DDC) bleibt von zentraler Bedeutungten.

Standardisierung

Schwerpunkte der Standardisierungsarbeit im Jahr 2009 waren die Vorbereitungen auf das neue Regelwerk Resource Description and Access (RDA), der Umstieg auf MARC 21, die Arbeiten an der Gemeinsamen Normdatei (GND), die Online-Kommunikation für die Normdaten sowie zahlreiche Aktivitäten im Bereich Metadaten.
Zur Vorbereitung auf das neue Regelwerk RDA wurde mit der Übersetzung ins Deutsche begonnen und ein Schulungskonzept erstellt. Für die Fachöffentlichkeit wurden Informationsvorträge und -veranstaltungen angeboten.

Mit dem Symposium »Umstieg auf MARC 21 - MARCing a new landscape in data exchange« ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt »Internationalisierung der deutschen Standards: Umstieg auf MARC 21« zu Ende gegangen. Die Übersetzung von MARC 21 Concise ermöglicht einen schnellen und präzisen Überblick über Felder, Indikatoren, Unterfelder und Positionen. Im Herbst 2009 wurden die Übersetzungen der Teilformate »Bibliographic Data«, »Authority Data« und »Holdings Data« veröffentlicht. An den Ergänzungen des Formats, die eine erste Implementierung von RDA unterstützen sollen, arbeitet die Deutsche Nationalbibliothek mit.

Die Deutsche Nationalbibliothek stellte 2009 die Weichen für eine Gemeinsame Normdatei (GND) für alleNormdaten. Die Deutsche Nationalbibliothek führt die GKD, die PND und die SWD. In enger Zusammenarbeit mit den Bibliotheksverbünden konnte für die drei überregionalen Normdateien ein gemeinsames Normdatenformat für alle darinenthaltenen Objekte und ihre Untergliederungen entwickelt werden. Dieses Format wird auch die Einheitssachtiteldatei (EST-Datei) des Deutschen Musikarchivs anwenden, die in Zukunft als überregionale Normdatei geführt wird.
Mitte Januar 2009 wurden die Schnittstellen für die Online-Kommunikation in der SWD eingerichtet und nach einer Testphase in den meisten Verbünden in den produktiven Betrieb überführt. Die Vorarbeiten für die Einführung der Online-Kommunikation für die GKD sind abgeschlossen. Alle drei Normdateien werden dann umgestellt sein. Nach dem Umstieg auf MARC 21 in allen Verbünden wird das Verfahren schließlich auch für die Titel- und Lokaldaten der Zeitschriftendatenbank (ZDB) eingeführt.

Auch bei der Weiterentwicklung von Standards im Rahmen der Dublin Core Metadata Initiative und der deutschen ONIX National Group hat sich die AfS beteiligt. Gemeinsam mit der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH wurde eine Leitlinie und ein Zeitplan für den Umstieg auf die im Frühjahr von EDItEUR veröffentlichte Version 3 von ONIX for Books verabschiedet.
Darüber hinaus hat sich die AfS an der Erstellung des Metadatenkernsets im Format MARCXML für die Ablieferung von Netzpublikationen beteiligt.
Bei der IFLA-CDNL Alliance for Digital Strategies (ICADS), die sich mit aktuellen Entwicklungen rund um digitale Bibliotheken in Nationalbibliotheken befasst, arbeitet die Deutsche Nationalbibliothek im Beirat mit.

Digitale Dienste

Seit Beginn des Jahres 2009 bietet die Deutsche National-bibliothek die Daten der Deutschen Nationalbibliografie, der ZDB und die Normdaten GKD, PND und SWD im Format MARC 21 an.
Seit Mitte des Jahres wird der Kataloganreicherungsdienst zunächst monatlich, seit September wöchentlich ausgeliefert. Insgesamt wurden 65.000 Inhaltsverzeichnisse von Neuerschei-nungen der Bibliografiereihe A und weitere 55.000 Inhaltsverzeichnisse aus dem Zugang der Jahre 1913 bis 1918 erstellt. Damit stellt die Deutsche Nationalbibliothek zum Jahresende 185.000 Inhaltsverzeichnisse im Katalog bereit. Durch die Kooperation mit der MVB konnte der Bestand an inhaltsbeschreibenden Verlagsinformationen um 46.000 auf 260.000 gesteigert werden. Die Daten der Kataloganreicherung ergänzen in zunehmendem Umfang die sachlichen Zugriffsmöglichkeiten über Schlagwörter nach RSWK und DDC-Sachgruppen und ermöglichen so eine verbesserte Recherche im Katalog.

Ausgangspunkt für das Projekt »100 Bände Klassik« ist die Absprache der europäischen Nationalbibliotheken, kurzfristig hundert Bände der für das jeweilige Land als zu einem Literaturkanon zugehörig geltenden urheberrechtsfreien Werke zu digitalisieren und in die Europeana sowie in The European Library einzubringen. Innerhalb der Europeana werden die »Top 100« der europäischen Nationalbibliotheken an herausragender Stelle präsentiert. Die Deutsche Nationalbibliothek nutzt das Projekt, um einen prototypischen Geschäftsgang für künftige Digitalisierungsvorhaben aufzubauen.

Für das EU-Projekt ARROW (Accessible Registries of Rights Information and Orphan Works towards Europeana), das die Ermittlung von Urheberrechtsinhabern bei vergriffenen Werken erleichtern soll, wurde eine Website eingerichtet, auf der über den Stand der Arbeiten informiert wird. In die mit der MVB entwickelte Systemarchitektur sollen auch nationale Instrumente der Rechteklärung integriert werden können. Exemplarisch erfolgt in der Deutschen Nationalbibliothek die Rechteklärung an rund 4.500 vergriffenen Titeln, die im Wettbewerb »Schönste Deutsche Bücher« seit Ende der 1920er-Jahre prämiert wurden.

Projekte

Mit der von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder geförderten Untersuchung der »Nachhaltigkeit der Massenentsäuerung von Bibliotheksgut« konnte in der ersten Phase die Wirksamkeit der Massenentsäuerung bestätigt werden. Anschließend wurde eine beschleunigte Alterung der Proben durchgeführt, erneute Untersuchungen schließen das Projekt 2010 ab.

Hauptziele des seit 2008 bestehenden EU-Projekts IMPACT (Improving Access to Text) sind der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Massendigitalisierung von historischen Quellen und die Verbesserung der Texterkennung für historische Texte. Die Deutsche Nationalbibliothek beteiligt sich an verschiedenen Arbeitspaketen und ist federführend bei der Implementierung des Helpdesks.

In dem seit Anfang 2006 gemeinsam mit der FH Köln durchgeführten Projekt CrissCross wurden die 50.000 meistgenutzten Schlagworte der SWD mit ihren französischen und englischen Äquivalenten verknüpft. Sie werden die Suchmöglichkeiten in Portalen wie The European Library, Europeana, aber auch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek verbessern.

Die Deutsche Nationalbibliothek ist Partner im DFG-geförderten Projekt »Kompetenzzentrum interoperable Metadaten«. KIM informiert im deutschsprachigen Raum über nationale und internationale Entwicklungen im Bereich Metadaten. KIM engagiert sich in nationalen und internationalen Gremien, um Regeln für die Nutzung von Metadatenformaten und kontrollierten Vokabularien im Kontext des Semantic Web zu erarbeiten sowie Standardisierungsaktivitäten in diesem Bereich mitzugestalten. Ziel ist, Metadaten ohne Informationsverlust in vernetzten Informationsumgebungen nutzbar zu machen. KIM ist Mitherausgeber des Technology Watch Report - Standards und Standardisierung (TWR). Mit den von KIM entwickelten Zertifizierungskriterien können Metadatenprofile bewertet werden.

Das »Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeit-verfügbarkeit digitaler Ressourcen für Deutschland« - nestor - hat den Übergang vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)-geförderten Projekt zum Kooperationsver-bund zum Ende der insgesamt sechsjährigen Projektlaufzeit erfolgreich bewältigt. Bei der Abschlusskonferenz in Berlin haben Experten der Langzeitarchivierung über die Fortschritte durch die Zusammenarbeit in nestor berichtet und deutlich gemacht, dass eine dauerhafte Kooperation für die langfristige Sicherung digitaler Informationen notwendig ist. Aufgabe des Kompetenznetzwerks nestor ist es, die Relevanz des Themas »Digitale Langzeitarchivierung« in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu vermitteln und die Expertise zu diesem Thema zu bündeln, um so die Voraussetzungen für die langfristige Archivierung des digitalen kulturellen Erbes in Deutschland zu schaffen. Die nestor-Geschäftsstelle wird von der Deutschen Nationalbibliothek betreut.

Das EU-Projekt PARSE.Insight (Insight into issues of Permanent Access to the Records of Science in Europe) untersucht den aktuellen Stand und die Zukunftsaussichten der Langzeit-archivierung von wissenschaftlichen Primärdaten. Ergebnisse einer breit angelegten Befragung von Forschern, Verlegern, »Datenbewahrern« (das umfasste Datenbankmanager, Spezialisten in Rechenzentren und Bibliotheken usw.) und Forschungsförderern über den Stand der Archivierung und der interdisziplinären Nutzung von Forschungsdaten flossen bereits in den Entwurf einer Roadmap für eine europäische Forschungsdaten-Infrastruktur ein.

Das auf vier Jahre angelegte Projekt SHAMAN (Sustaining Heritage Access through Multivalent Archiving) mit 17 Partnern aus sieben europäischen Ländern verfolgt das Ziel, Grundlagen für die Grid-basierte Vernetzung von Langzeitarchivierungssystemen zu schaffen. Die Deutsche Nationalbibliothek bringt im Rahmen des Projekts vor allem Ergebnisse aus dem Langzeitarchivierungsprojekt KOPAL ein.

CONTENTUS ist ein Teilprojekt von THESEUS, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) finanzierten Forschungsprogramm zur Entwicklung einer neuen internetbasierten Wissensinfrastruktur, um Wissen im Internet besser nutzen und verwerten zu können. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie entwickelt die Deutsche Nationalbibliothek neue Technologien für den Aufbau von digitalen Bibliotheken und digitalen Sendearchiven. Das Ziel von CONTENTUS ist die Schaffung eines automatisierten Prozesses zur Bereitstellung von multimedialem Wissen. Hierfür werden Ansätze entwickelt, die die Verfahren zur Restaurierung, Erschließung und semantischen Verknüpfung von Texten, Bildern, Musik, Tondokumenten und Videos weitgehend automatisieren. Nutzer werden von neuen Formen der Wissensrepräsentation profitieren, indem sie schneller zu relevanten Inhalten geführt werden. Zudem sollen die auf Basis innovativer Technologien gefundenen Beziehungen zwischen verschiedenen Werken die Neugier der Nutzer auf inhaltliches Neuland wecken und zu Wissensreisen einladen.

Die auf Semantic-Web-Technologien basierenden Verfahren von Linked Data und den damit verbundenen Konventionen eröffnen neue Möglichkeiten zur Bereitstellung von Metadaten und anderen Daten im World Wide Web. Die Deutsche Nationalbibliothek hat mit dem Aufbau eines Dienstes zur Veröffentlichung ihrer Wissensbasis als Linked Data begonnen. Ziel des ersten Prototyps ist es, praktische Erfahrungen mit dem Betrieb eines solchen Dienstes zu sammeln.

Zur Langzeitarchivierung und zur Verbesserung der Bereitstellung in den Räumen der Deutschen Nationalbibliothek ist die stufenweise Digitalisierung und Überführung sämtlicher Tonträgerbestände des Deutschen Musikarchivs auf Massenspeicher vorgesehen. Aufgrund der akuten Gefährdungslage wurde mit der Migration von Audio-CDs begonnen. Dazu wurde ein System beschafft, das bei hohem Durchsatz Transfer und Fehlerkontrolle auf höchstem Niveau ermöglicht.

Benutzung und Bestandserhaltung

Die Lesesäle der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin waren 2009 an 296 Tagen geöffnet. Mehr als 800.000 Medieneinheiten wurden in dieser Zeit für die Benutzung bereitgestellt und über 10.000 telefonische und schriftliche Anfragen beantwortet. Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Zweig des weltweiten Auskunftsdienstes QuestionPoint wurde fortgesetzt.
Benutzeranmeldung, Portal-Katalogrecherche, Bereitstellungssystem für elektronische Publikationen und die neu in das Portalangebot integrierte elektronische Dokumentbestellung sind nunmehr direkt an den Benutzerarbeitsplätzen in den Lesesälen erreichbar. In den Multimedialesesälen in Leipzig und Frankfurt am Main wurde ein zeitgemäßes und komfortableres Bereitstellungssystem in Betrieb genommen. Rund 500 elektronische Publikationen stehen vorinstalliert zur Verfügung.
Sowohl im Deutschen Exilarchiv als auch im Deutschen Buch- und Schriftmuseum sind deutlich steigende Bestellungen und eine zunehmende Benutzung zu verzeichnen. Sie sind auf den vollständigen Nachweis der Titel im Online-Katalog durch die Retrokonversion der in den gedruckten Bestandskatalogen erfassten Titel und die Konversion des Zettelkataloges zurückzuführen.
Im Jahr 2009 konnten 105.000 Bände mit einem Gesamtgewicht von 39 Tonnen über den »Rahmenvertrag über Konservierungsleistungen zur Bestandserhaltung von Büchern und Archivalien« des Bundes durch Massenentsäuerung erhalten werden. Das entspricht rund 2,5 Kilometern laufender Regalfläche.

Herausragende Neuerwerbungen

Der Archivalienbestand des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 wuchs um zehn Nachlässe und Teilnachlässe deutschsprachiger Emigranten und dem Teilarchiv eines Exilforschers; hinzu kommen zahlreiche Ergänzungen bestehender Bestände, etwa mit Briefen von Stefan Zweig und Klaus Mann. Besonders ist auf den Nachlass der im August 2007 in Frankfurt am Main verstorbenen Schriftstellerin Anja Lundholm hinzuweisen. Unter den Neuerwerbungen von Einzelautografen ragt ein Brief von Albert Einstein an Max Haas heraus sowie ein Brief von Thomas Mann an Theodor Reik.

Das Deutsche Musikarchiv konnte neben einigen herausragenden Beständen, wie etwa 42 Emile-Berliner-Platten aus den Jahren 1897 bis 1902, viele weitere kostbare und seltene Stücke erwerben. Dazu zählen 105 zum Teil sehr seltene Phonographenwalzen.

Unter den Neuerwerbungen des Deutschen Buch- und Schrift-museums ist vor allem der Nachlass des Leipziger Typografen und Illustrators Hans-Joachim Walch (1927 - 1991) hervorzuheben, der Layoutvorlagen und Entwürfe zu Schutzumschlägen, Holzstöcke, Handabzüge von Holzstichen zu Buchillustrationen, freie Grafik, persönliche Dokumente und Auszeichnungen enthält. Die Sammlung von Archivalien und Dokumenten zur Buchgeschichte konnte durch einen Anzahlungsbeleg für die Londoner Polyglottenbibel, eines der frühesten Subskriptionswerke, ergänzt werden, der im Jahr 1655 für John Gill ausgestellt wurde.

Wertvollen Zuwachs erhielt die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek durch die Schenkung von Dr. Vincent Frank-Steiner, dem früheren Präsidenten des Anne-Frank-Fonds in Basel, die zahlreiche Bücher über Anne Frank sowie die Bronzebüste »Anne Frank« von Irmgard Biernath umfasst.

Aus den Zugängen zur Leipziger Exil-Sammlung sind besonders hervorzuheben 13 Hefte der seltenen Zeitschrift »Das freie Wort: Zeitung der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion« (Moskau, 1942), ein kleines Kinderbuch »Zoo II« der bekannten Zeichnerin und Puppenkünstlerin Erna Pinner aus dem Jahr 1944 und ein Kinderbuch mit aufklappbaren Bildern, Drehscheiben und anderen Animationen über die Kunst des Zauberns (»Arresto the Great presents The Book of Magic«) von dem Buchgestalter und Illustrator William Wiesner, ebenfalls aus dem Jahr 1944.

Ausstellungen

Mit der Beteiligung am Heinrich-Hoffmann-Sommer aus Anlass des 200. Geburtstages des Struwwelpeter-Autors, Arztes und Psychiaters mit der Ausstellung »Struwwelpeters Nachfahren - Starke Kinder im Bilderbuch der Gegenwart« in Frankfurt am Main wurde die Zusammenarbeit mit dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main fortgesetzt.

Der 80. Geburtstag des Philosophen war Anlass für die Ausstellung » ›… die Lava des Gedankens im Fluss‹ - Jürgen Habermas - eine Werkschau«, die vom Archiv der Peter Suhr-kamp Stiftung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main organisiert wurde. Die Eröffnung mit Jürgen Habermas, Alexander Kluge und Ulla Unseld-Berkéwicz im voll besetzten Vortragssaal am Vorabend des Geburtstags fand in den Medien große Aufmerksamkeit.

Das Gastland der Frankfurter Buchmesse wurde von der Ausstellung der Stiftung Buchkunst »Buch Gestalten. Made in China. Aktuelles chinesisches Buchdesign« aufgegriffen. Am Leipziger Standort konnten in Folge der Bautätigkeit am 4. Erweiterungsbau in diesem Jahr keine Ausstellungen gezeigt werden. Fortgesetzt wurden jedoch die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung des Deutschen Buch und Schriftmuseums, die aus kulturhistorischer Sicht die drei Medieninnovationen Schrift, Buchdruck mit beweglichen Lettern und digitale Netzwelten untersuchen wird.

Veranstaltungen

Das Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums wurde mit einer Festveranstaltung im Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig begangen. Rund 300 Gäste verfolgten die Podiumsdiskussion unter dem Titel »Buch-Orte gestern und morgen: Blick zurück nach vorn«. Die Festschrift »Bücher - Zeichen - Wissensnetze« verbindet ein essayistisch angelegtes, lebendiges Mosaik aus Würdigungen, Grußadressen und Essays mit einer wissenschaftlich fundierten Museumschronik einer der ältesten und nach Umfang und Qualität der Bestände weltweit bedeutendsten Sammlungen auf dem Gebiet der Buchkultur. Schriftsteller und Historiker, Buchwissenschaftler, Kulturpolitiker und Medientheoretiker, aber auch Sammler und Web-Visionäre kommen darin zu Wort, um über das Buch und seine Zukunft nachzudenken.
Zahlreiche Lesungen und Vorträge, unter anderem mit Stefan Aust, Sigrid Damm, Malcolm Gladwell, Günter Kunert, Monika Maron, Avi Primor und Roger Willemsen sowie den Schauspielern Dieter Mann, Felix von Manteuffel und Michael Quast haben in Leipzig und Frankfurt am Main für volle Säle gesorgt.
Im Rahmen des landesweiten Aktionstages »Literaturland Hessen« hat ein gut besuchter Tag der offenen Tür in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main stattgefunden. Der Leipziger Standort beteiligte sich an der 9. Jüdischen Woche, am Straßenfest der Leipziger Bibliotheken und Archive und als Gastgeber an der Jahrestagung der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft. Im März war die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek Ort des jährlichen Arbeitstreffens der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten-bibliotheken. Das Deutsche Exilarchiv richtete in Frankfurt am Main die KOOP-LITERA-Tagung aus - ein Netzwerk, in dem Institutionen organisiert sind, die schriftliche Nachlässe und Autografen erwerben, erschließen, bewahren und zugänglich machen.
20 Jahre nach dem Mauerfall haben die Teilnehmer der Podiumsdiskussion »Eindrücke von drüben - Was Schüler in der DDR, der BRD und den USA übereinander lernten« am Leipziger Standort auf die Zeit des geteilten Deutschlands zurückgeblickt. Anhand von persönlichen Erfahrungen aus ihrer Schulzeit erläuterten Repräsentanten der USA, der BRD und der DDR die Darstellung der jeweils anderen beiden Länder im Lehrmaterial ihres Landes.

Erweiterungsbau Leipzig

Mit dem Richtfest wurde im März mit den Architekten, der Bauverwaltung und rund 200 geladenen Gästen, den am Bau beteiligten Firmen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Nationalbibliothek die Fertigstellung des Rohbaus für den 4. Erweiterungsbau des Leipziger Standortes gefeiert. Wenige Tage zuvor informierte sich Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee bei einem Rundgang über die Baufortschritte und das moderne Energiekonzept. Die Arbeiten am Erweiterungsbau, am neuen Musiklesesaal, am Bücherturm und der für die Nutzung regenerativer Energien notwendigen Geothermieanlage sind ohne Verzögerung vorangeschritten. Die Gesamtfertigstellung und der Umzug des Deutschen Musikarchivs von Berlin nach Leipzig sind für den Herbst 2010 geplant.

Fakten und Zahlen

Erwerbung (PDF, 37KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Deutsche Nationalbibliografie (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Normdateien (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Bibliografische Dienste (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Nationales ISSN-Zentrum (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Benutzung, Auskunft, Archivierung (PDF, 25KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Bestandserhaltung (PDF, 19KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Spezialsammlungen (PDF, 28KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Deutsches Musikarchiv (PDF, 22KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Haushalt und Personal (PDF, 21KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Ausbildung (PDF, 21KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Öffentlichkeitsarbeit (PDF, 21KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Ausstellungen und Veranstaltungen
Veröffentlichungen
Gremien der Deutschen Nationalbibliothek
Mitarbeit in Gremien

Letzte Änderung: 21.2.2012

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