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1912-1945

Von der Gründung der Deutschen Bücherei am 3. Oktober 1912 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

1915 Postkarte „Baubeginn des Hauptgebäudes der Deutschen Bücherei am Deutschen Platz Leipzig“1915 Postkarte „Baubeginn des Hauptgebäudes der Deutschen Bücherei am Deutschen Platz Leipzig“

Die gemeinsamen Interessen des Börsenvereins, der Stadt Leipzig als Zentrum des Buch- und Verlagswesens im Deutschen Reich sowie des Königreiches Sachsen führen am 3. Oktober 1912 zum Abschluss des Vertrages über die Gründung der Deutschen Bücherei. Am 1. Januar 1913 nimmt sie ihre Arbeit zunächst in provisorischen Räumen des Buchhändlerhauses auf. In den Jahren 1914–1916 wird der repräsentative Bau der Deutschen Bücherei an der Magistrale zwischen Neuem Rathaus und Völkerschlachtdenkmal errichtet. Das vor der Bücherei angelegte Oval heißt nach der Neugründung "Deutscher Platz". Erster Direktor des Hauses wird Gustav Wahl.
Die Hauptaufgabe des "Archivs des deutschen Schrifttums und des deutschen Buchhandels" besteht nach der Gründungssatzung darin, "die gesamte vom 1. Januar 1913 erscheinende deutsche und fremdsprachige Literatur des Inlandes und die deutsche Literatur des Auslandes zu sammeln, aufzubewahren und nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu verzeichnen." Schon im ersten Jahr des Bestehens der Deutschen Bücherei gehen 21.000 Exemplare ein. Zugleich muss im Folgejahr bei 685 Verlagen wegen Nichteinhaltung ihrer Lieferzusage reklamiert werden.

Im Jahr 1916 siedelt die Bibliographische Abteilung der deutschen Buchhändler in die Deutsche Bücherei über und wird im Jahr 1921 mit den Bibliothekaren des Alphabetischen Kataloges zur Bibliographischen Abteilung der Deutschen Bücherei zusammengeführt. Diese bearbeitet das "Tägliche Verzeichnis der erschienenen Neuigkeiten des deutschen Buchhandels" im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels sowie dessen Kumulation, das "Wöchentliche Verzeichnis". In den Jahren 1917-1923 steht das Haus unter der Leitung von Georg Minde-Pouet. Nachdem die Deutsche Bücherei zu Beginn der zwanziger Jahre aufgrund der allgemeinen Geldentwertung in eine existenzielle Finanzkrise geraten war, tritt das Deutsche Reich im Jahr 1923 förmlich dem Kreis der Unterhaltsträger bei und finanziert fortan 40 % des Etats.


Am 1. Oktober 1924 übernimmt Heinrich Uhlendahl die Leitung der Deutschen Bücherei, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1954 innehat. Im Jahr seines Amtsantrittes erwirkt die Deutsche Bücherei einen Erlass, der die Ablieferung der Amtlichen Druckschriften des Deutschen Reiches nach Leipzig vorschreibt. Im Jahr 1931 erfolgt die endgültige Ablösung der buchhändlerischen zugunsten einer nationalen Bibliografie: Das "Wöchentliche Verzeichnis" erscheint nicht länger als Beilage zum Börsenblatt, sondern als "Deutsche Nationalbibliographie" in der Reihe A für die Verlagsschriften und neu in der Reihe B für außerhalb des Verlagsbuchhandels erscheinende Schriften. Gleichzeitig übernimmt die Deutsche Bücherei auch die Bearbeitung des "Halbjahresverzeichnisses der Neuerscheinungen des deutschen Buchhandels" und des "Deutschen Bücherverzeichnisses". Die Titelanzeigen selbst erfolgen nach bibliothekarischen, dem wissenschaftlichen Standard entsprechenden Katalogisierungsregeln, den Preußischen Instruktionen (PI). Die Benutzung erreicht 1931 einen einstweiligen Höchststand von 402.000 Besucherinnen und Besuchern.


Die allmähliche Umwandlung von einer nationale Aufgaben wahrnehmenden Deutschen Bücherei des Börsenvereins zu einer Reichsbibliothek mit nationalbibliografischen Aufgaben unterliegt in den Folgejahren dem Interesse der NS-Diktatur: Am 30. Juni 1933 wird die Bibliothek dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Auf Vorgabe des Propagandaministeriums wird der Deutsche Gruß in der Deutschen Bücherei eingeführt sowie verbotene und unerwünschte Literatur der allgemeinen Nutzung entzogen. Zunehmend gelangen von der Polizei bzw. der Gestapo beschlagnahmte Bücher in den Bestand. Mehrere Mitarbeiter werden auf der Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als "Nichtarier" bzw. aus politischen Gründen entlassen. Der Versuch der sächsischen NSDAP scheitert, an die Spitze der Deutschen Bücherei ein ausgewiesenes Parteimitglied zu setzen. Uhlendahl bleibt Direktor.
In den Jahren 1934/35 wird der erste Erweiterungsbau errichtet.


Am 20. September 1935 erlässt die Reichskulturkammer eine pflichtexemplargesetzähnliche Anordnung, die die Selbstverpflichtung der Buchhändlervereinigung ersetzt. Die Maßnahmen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda führten zur separaten Anzeige der sogenannten unerwünschten Literatur, die von 1939 bis 1944 als "Liste der in der Deutschen Bücherei unter Verschluss gestellten Druckschriften" erscheint und deren Anzeige in der Nationalbibliografie verboten ist.
Im Januar 1937 wird die Herstellung von Zetteldrucken (Leipziger Titeldrucke) aufgenommen. Damit stehen die bibliografischen Daten der deutschsprachigen Literatur den Bibliotheken nun als Katalogkarten zur weiteren Nutzung zur Verfügung und die Zentralkatalogisierung des deutschen Schrifttums wird realisiert.


Im Mai 1938 überlässt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg der Deutschen Bücherei anlässlich ihrer 25-Jahr-Feier die Reichsbibliothek der Deutschen Nationalversammlung.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges werden die Öffnungszeiten der Bibliothek stark eingeschränkt. Der Gesamtbestand beläuft sich 1940 auf ca. 1,63 Mio. Bände bei einem jährlichen Neuzugang von 83.000 Bänden. Durch das Reichsgesetz über die Deutsche Bücherei vom 18. April 1940 erlangt sie die eigene Rechtsfähigkeit.

Der Sammelauftrag der Deutschen Bücherei wird zu Beginn der vierziger Jahre auf Betreiben Uhlendahls stark erweitert: 1941 um Übersetzungen deutscher Werke und Germanica, 1943 um Musikalien Deutschlands, Österreichs und der deutschsprachigen Schweiz sowie um Kunstblätter.
Die Benutzung lässt in den Kriegsjahren erheblich nach. Am 4. Dezember 1943 wird das Gebäude bei einem Luftangriff stark beschädigt. Im Januar 1944 wird die Deutsche Bücherei für die Benutzung geschlossen.

Letzte Änderung: 18.02.2013

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