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Jahresbericht 2003

Von Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder ziehen wir Bilanz, was hat unsere Arbeit im vergangenen Jahr geprägt, wie waren die Rahmenbedingungen, was haben wir daraus gemacht. Alle Jahre wieder blicken wir auch nach vorn, fragen uns, was das neue Jahr bringen wird. Alle Aktivitäten Der Deutschen Bibliothek standen und werden künftig noch verstärkt unter dem Druck der äußerst engen finanziellen Rahmenbedingungen stehen. Gerade in diesen Zeiten sind Kooperationen und Partnerschaften auf nationaler und internationaler Ebene wichtig. Aktiv und miteinander die Zukunft der Bibliothekslandschaft gestalten, ist ein wichtiges Ziel Der Deutschen Bibliothek.

69. IFLA Generalkonferenz

Zu einem der Höhepunkte des Jahres zählte der Weltkongress Bibliothek und Information, die 69. IFLA Generalkonferenz, die im August 2003 in Berlin stattfand. Mehr als 4.500 Teilnehmer aus 133 Ländern besuchten die Tagung. Als Mitglied des Nationalen Organisationskomitees war Die Deutsche Bibliothek insbesondere für die Organisation der Eröffnungs- sowie der Abschlussveranstaltung verantwortlich. Moderiert durch den Fernsehjournalisten Ranga Yogeshwar und begleitet von der bekannten Marching Band Tätärä eröffnete der IFLA-Verleger Klaus G. Saur als Festredner die Konferenz. Während der Schlussveranstaltung übergab Christine Deschamps die Präsidentschaft des Verbandes an Kay Raseroka aus Botswana, moderiert wurde die lebhafte Veranstaltung von Klaus-Dieter Lehmann. Die Deutsche Bibliothek richtete außerdem als Gastgeberin das jährlich im Rahmen der IFLA stattfindende Treffen der Conference of Directors of National Libraries (CDNL) aus. Die Tagung war insgesamt ein voller Erfolg für das deutsche Bibliothekswesen und wird allen Teilnehmern lange in guter Erinnerung bleiben.

Baugeschehen

Bereits im November 2002 war das Ergebnis des Architekturwettbewerbs für den vierten Erweiterungsbau der Deutschen Bücherei Leipzig und damit der Entwurf der Preisträgerin Gabriele Glöckler vom Verwaltungsrat Der Deutschen Bibliothek bestätigt worden. Im Januar 2003 beauftragte das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen eine Optimierungsstudie mit dem Ziel, die geschätzten Gesamtbaukosten zu präzisieren und das energetische Konzept zu untersuchen. Im Dezember 2003 wurde die Vorentwurfsplanung vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in dieser Form baufachlich genehmigt. Voraussichtlicher Baubeginn ist 2006. Die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten am bestehenden Gebäude der Deutschen Bücherei Leipzig in den öffentlichen Bereichen konnten 2003 abgeschlossen werden.

Die zur Unterbringung des Bestandes der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main notwendigen Ausbauarbeiten des 3. Magazingeschosses wurden planmäßig abgeschlossen. Mit dem Verziehen der Bestände wurde im 4. Quartal 2003 begonnen.

Das in Auftrag gegebene Gutachten über den Standort des Deutschen Musikarchivs Berlin ist zu dem Ergebnis gelangt, dass ein Verbleib in der Liegenschaft »Siemensvilla« die wirtschaftlichste Lösung ist. Verhandlungen über die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen müssen nun aufgenommen werden.

Neukonzeption Deutsche Nationalbibliografie

Die schon seit längerem bestehenden Überlegungen zu einer Neukonzeption der Deutschen Nationalbibliografie wurden im 1. Halbjahr 2003 konkretisiert. Anhand eines Fragebogens wurden Vertreter der unterschiedlichen Nutzergruppen befragt, um weitere Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Anwender zu erhalten und damit auch eine breite Akzeptanz für die Neukonzeption zu erreichen. Seit Januar 2004 erfolgt nun die Erstverzeichnung mit der frei zugänglichen Datenbank Der Deutschen Bibliothek http://dnb.ddb.de. Daneben gibt es kostenpflichtige nationalbibliografische Angebote für diejenigen Nutzer, die eine bestimmte Ausgabeform beziehen möchten oder bestimmte Lieferintervalle für die Daten bevorzugen.

Bedingt durch die Möglichkeiten der technischen Realisierung werden die neuen Angebote Der Deutschen Bibliothek in zwei Stufen eingeführt. Die 1. Stufe ab 2004 umfasst Dienstleistungen, für die bereits Verfahren existieren: Druckausgabe der Hauptteile einzelner Bibliografiereihen, HTML-Dateien zur Bearbeitung am Bildschirm, PDF-Daten für diejenigen Bibliografiereihen, die nicht mehr als Druckausgabe erscheinen. In der 2. Stufe sollen dann im Zuge der Entwicklung des Gesamtkatalogs und des Portals Der Deutschen Bibliothek weitere Dienste angeboten werden: Filter auf einzelne Bibliografiereihen, Möglichkeit des Generierens von SDI-Profilen auf neu hinzugekommene Titel, Auswahl bestimmter Medienarten, Fortentwicklung der Möglichkeit, Datensätze in strukturierter Form online abzurufen, Verlinkung zu einer Bestellmöglichkeit des Titels beim Buchhandel.

Verändert wurden auch die Druckausgaben der Deutschen Nationalbibliografie. Wegen der kontinuierlich gesunkenen Abonnentenzahlen wurden die Druckausgaben der Reihen M und T eingestellt, die Übersetzungen und Germanica, die bisher in der Reihe G angezeigt wurden, sind nun Bestandteil der Reihe A. Der Neuerscheinungsdienst, der 2003 direkt von Der Deutschen Bibliothek in gedruckter Form und als PDF-Version angeboten wurde, wird seit 2004 als Druckausgabe wieder vom Verlag MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH vertrieben. Das bisherige Fünfjahresverzeichnis wird auf einen dreijährigen Erscheinungsrhythmus umgestellt.

Neugliederung Deutsche Nationalbibliografie

Als weitere Veränderung wurde mit Bibliografie-Jahrgang 2004 die Gliederung der Deutschen Nationalbibliografie von den bisherigen 65 Sachgruppen auf 100 Sachgruppen, die weitgehend den beiden obersten Ebenen der DDC entsprechen, umgestellt. Die Deutsche Bibliothek orientiert sich dabei an der Umgestaltung des Schweizer Buchs ab 2001 und ähnlichen Planungen für die Österreichische Bibliografie, um damit zu einer möglichst einheitlichen Regelung für die Nationalbibliografien der deutschsprachigen Länder zu kommen und zugleich Anschluss an die internationale Entwicklung zu finden, da die DDC in mehr als 60 Ländern für die Erschließung in Nationalbibliografien verwendet wird.

Neuerscheinungsdienst

Mit der Ablösung des CIP-Dienstes durch den Neuerscheinungsdienst zur Jahreswende 2002/2003 ist das Projekt der erweiterten Kooperation zwischen der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH und Der Deutschen Bibliothek erfolgreich in den Routinebetrieb gegangen. Der außerhalb der Reihen der Deutschen Nationalbibliografie erscheinende Neuerscheinungsdienst basiert auf den Titelmeldungen der Verleger an das Verzeichnis lieferbarer Bücher VLB und wird von Der Deutschen Bibliothek als Informationsdienst zu Vorankündigungen und neu erschienenen Titeln angeboten. Die Druckausgabe erscheint im Verlag MVB und ist über den Buchhandel zu beziehen.

Gesetzesnovellierung

Die grundlegenden Veränderungen im Publikationswesen machen eine Erweiterung des »Gesetzes über Die Deutsche Bibliothek« im Hinblick auf Netzpublikationen erforderlich. Deren Sammlung, Erschließung und dauerhafte Archivierung sowie die Nutzung über nutzungsrechtliche »Verfalldaten« und technische Veralterung hinaus stellen eine neue Herausforderung dar. Für diese neuen Aufgaben, die auch Auswirkungen auf die Pflichtstückverordnung und die Sammelrichtlinien haben, wurde ein Entwurf erarbeitet und mit den Gremien Der Deutschen Bibliothek diskutiert und abgestimmt. Dieser Arbeitsentwurf zur Gesetzesnovelle ist nun der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Initiierung eines entsprechenden Gesetzesvorhabens vorgelegt worden. Für die Übergangszeit bis zu einer grundsätzlichen Neuordnung im Rahmen der Novellierung des Gesetzes über Die Deutsche Bibliothek und der Pflichtstückverordnung wurden die Zuschussrichtlinien neu gefasst.

Bibliotheksorganisation

Das bereits 2002 begonnene Projekt zur Einführung eines Controlling-Systems und einer Controlling-Organisation wurde im zweiten Quartal 2003 abgeschlossen. Die konzeptionellen Grundlagen zur Einführung von Controlling in Der Deutschen Bibliothek sind damit geschaffen. Für die Einführung eines entsprechenden IT-Systems wurde ein Pflichtenheft erarbeitet, das als Grundlage für die Ausschreibung diente. Mit einem wichtigen Teilbereich, der Einführung des Projektcontrollings wurde im Berichtsjahr bereits begonnen. Zum Thema Personalentwicklungsplanung hat Die Deutsche Bibliothek eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Generaldirektion, der Personalverwaltung und der Personalvertretungen sowie der Gleichstellungsbeauftragten gegründet. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, die notwendigen Instrumentarien zu liefern, um bei ständig knapper werdenden Finanzen Personal und Sachmittel wirtschaftlich und zielorientiert einzusetzen.

Haushalt

Die Haushaltslage ist weiterhin äußerst kritisch. Eine Erhöhung des Bundeszuschusses ist trotz ständig steigender Kosten vor allem bei den Personalausgaben in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Über die oben erwähnten Maßnahmen hinaus, hat Die Deutsche Bibliothek begonnen über Aufgabenpriorisierung und weitere Einsparpotenziale zu diskutieren.

Standardisierungsarbeit

Die Arbeit der Arbeitsstelle für Standardisierung wurde auch im vergangenen Jahr maßgeblich durch den Grundsatzbeschluss des Standardisierungsausschusses vom 6. Dezember 2001 und seine Modifikation am 27. November 2002 sowie durch das Projekt »Umstieg auf internationale Formate und Regelwerke (MARC21, AACR2)« geprägt. Zu Projektbeginn wurde im Rahmen einer Fragebogenaktion bei den Bibliotheken und Verbundzentralen eine Erhebung zur Ermittlung der Ausgangslage bei der Fremddatennutzung sowie zu den Systemvoraussetzungen durchgeführt. Darüber hinaus wurden ergänzende Gespräche geführt. Der Projektteil »Abgleich der Regelwerke und Formate« konnte bereits abgeschlossen werden. Zur Durchführung des Teilprojekts »Wirtschaftlichkeitsuntersuchung« wurde in einem Ausschreibungsverfahren die Firma Kienbaum ausgewählt, die Ende November ihre ersten Ergebnisse vorlegte. Hohe Priorität im Gesamtprojekt hat die Untersuchung der Auswirkungen eines Umstiegs auf die Online-Kataloge und die Benutzer. Die Untersuchung der Zukunftsfähigkeit von MARC21 und AACR2 wird von einem amerikanischen Library Consultant nach gemeinsam erarbeiteten Vorgaben durchgeführt. Das Projekt wurde auf mehreren Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert. Im Mai 2004 soll das Projekt abgeschlossen werden.

Koordinierungsstelle DissOnline

Die im Jahr 2001 an Der Deutschen Bibliothek eingerichtete Koordinierungsstelle DissOnline bietet Hochschulbibliotheken Hilfestellung bei der Einführung oder Änderung des Geschäftsgangs für Online-Dissertationen sowie Hilfe bei der Nutzung der Verfahren zur Übermittlung von Online-Hochschulschriften und deren Metadaten. Das Ziel des Verfahrens »DissOnline« sind einheitliche Richtlinien zur Bearbeitung von Online-Hochschulschriften in Deutschland sowie die Möglichkeit, auch international langfristig auf deutsche Online-Hochschulschriften zugreifen zu können. Die Arbeit der Koordinierungsstelle DissOnline wird vom Beirat DissOnline aktiv begleitet. Seit 1. Januar 2003 wird der weitere Ausbau der Koordinierungsstelle durch ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Als Ergebnis sollen Vorschläge zu einem einheitlichen, praktikablen Verfahren DissOnline ausgearbeitet werden, die mit Fachbereichen, Rechenzentren und Bibliotheken zu diskutieren und abzustimmen sind. Zurzeit nehmen 81 Hochschulbibliotheken am Ablieferungsverfahren teil. Bisher wurden ca. 20.700 Dissertationen und fast 300 Habilitationen gemeldet.

EPICUR

Persistente Identifier (PI) sind für die Benutzung und Verwaltung von elektronischen Dokumenten unerlässlich. Die Deutsche Bibliothek hat im Rahmen des Projektes CARMEN (Arbeitspaket 4) ein »Uniform Resource Name« (URN)-Management eingeführt. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Nachfolge-Projekts EPICUR ist die technische Weiterentwicklung des bestehenden PI-Dienstes, um eine komplementäre Anwendung verschiedener PI-Systeme zu ermöglichen. Außerdem wird das bestehende URN-Management auf weitere Dokumentenklassen ausgedehnt. Einen weiteren Schwerpunkt der Projektarbeit bildet der Aufbau einer Infrastruktur zum Bereich Persistente Identifier in Deutschland. Auf internationaler Ebene wird versucht, in Kooperation mit der Nationalbibliothek Finnlands ein URN Information Centre aufzubauen.

Bibliothek und Archiv des Börsenvereins

2002 hat Die Deutsche Bibliothek die Bibliothek und das historische Archiv des Börsenvereins als Depositum übernommen. Der Umzug des Archivs konnte Ende 2003 abgeschlossen werden. Erfreulicherweise wurden die Sammlungen auch nach der Übergabe durch eine Reihe von Schenkungen bereichert, darunter ein Bestand buchhändlerischer Fachliteratur aus dem Besitz des Buchhändlers Erwin Baumann und das Archiv des Verlags Karl Schustek.

Benutzung

Von 15.056 Benutzerinnen und Benutzern wurden in der Deutschen Bücherei Leipzig an 291 Öffnungstagen 516.815 Bestellungen aufgegeben. In der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (mit dem Deutschen Musikarchiv Berlin) bestellten 21.326 Leserinnen und Leser an 292 Öffnungstagen 480.797 Werke zur Benutzung im Lesesaal.

Im Januar 2003 konnte die Dienstleistung »Informationsvermittlung online« auf der Homepage Der Deutschen Bibliothek freigeschaltet werden. Bibliografische Anfragen, Sachanfragen, Titelschutzanfragen und auch Literaturzusammenstellungen können somit direkt durch das Ausfüllen des Online-Formulars in Auftrag gegeben werden. Neben dieser neuen Form der Anfrage ist es aber auch weiterhin möglich, bibliografische Anfragen aller Art auf konventionellem Wege an Die Deutsche Bibliothek zu richten.

Langzeitarchivierung

Elektronische Publikationen nehmen im Wissenschaftsbetrieb wie auch im gesellschaftlichen Leben einen stetig wachsenden Stellenwert ein. Bibliotheken, Archive und Museen stellt diese Entwicklung vor neue Anforderungen hinsichtlich der dauerhaften Bewahrung und Zugänglichkeit dieser digitalen Objekte. Der Ansatz zu einer erfolgreichen Lösung kann nur ein kooperativer sein. Aus diesem Grund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit Mai 2003 das Projekt »Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen für Deutschland (NESTOR)«. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird unter Federführung Der Deutschen Bibliothek mit Partnern aus dem Bibliotheks-, Archiv- und Museumswesen durchgeführt. Ziel ist sicherzustellen, dass digitale Quellen in Deutschland langfristig archiviert, gesichert und zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen des Projekts ist ein webbasiertes deutschsprachiges Informationsforum und eine Informationsdatenbank mit inhaltlichen Angeboten zu technischen, organisatorischen, juristischen und anderen Fragestellungen zur Langzeitarchivierung aufgebaut worden (http://www.langzeitarchivierung.de). Weitere Aufgaben sind die Erarbeitung von Kriterien für vertrauenswürdige digitale Archive, Empfehlungen für Zertifizierungsverfahren digitaler Archivserver sowie Sammelrichtlinien und Auswahlkriterien für zu archivierende digitale Ressourcen aufzustellen. Außerdem wird ein Konzept für die dauerhafte Organisationsform des Kompetenznetzwerkes und des Informationsforums nach der Projektphase ausgearbeitet.

Digitale Bibliothek

Die Abgabe von Netzpublikationen an Die Deutsche Bibliothek erfolgt weiterhin auf Grundlage der 2002 zwischen dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Der Deutschen Bibliothek geschlossenen »Rahmenvereinbarung zur freiwilligen Ablieferung von Netzpublikationen zum Zwecke der Verzeichnung und Archivierung«. Um den Verfahrensaufwand für die Ablieferer zu senken, wurden neue Abgabemodalitäten für E-Mail-Newsletter und die Nachlieferung bereits erschienener Netzpublikationen eingerichtet. Darüber hinaus wird zurzeit das Projekt »Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs Digitaler Informationen (KOPAL)« vorbereitet. Unter Federführung Der Deutschen Bibliothek soll eine kooperativ nutzbare technische Struktur geschaffen werden, die ausreichend modular aufgebaut und von genügend generischer Anwendungsbreite ist, um als Entwicklungsplattform für ein digitales Archiv unterschiedlicher digitaler Objekttypen zu fungieren.

Exilpresse digital

Ende 2003 wurde das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt »Exilpresse digital« abgeschlossen. 30 digitalisierte Zeitschriften und Zeitungen aus dem Bestand des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945 stehen nun frei zugänglich im Internet zur Verfügung. Die Nutzung dieses Angebotes hat sich im vergangenen Jahr weiter gesteigert.

Portal

Bereits im Jahr 2002 wurden von einer standortübergreifenden Arbeitsgruppe Anforderungen an ein Internet-Portal Der Deutschen Bibliothek zusammengestellt. Statt den Benutzer mit unterschiedlichen Systemen zu konfrontieren, wie es derzeit im Bereich Kataloge und Datenbanken der Fall ist, sollen im Portal die Daten aus den Einzelsystemen genutzt, aufbereitet und dem Benutzer so präsentiert werden, dass für ihn der Eindruck entsteht, als bewege er sich nur in einem System. Die Realisierung dieses funktionalen Portalkonzepts wird in mehreren Schritten erfolgen.

Bestand und herausragende Neuerwerbungen

Der Bestand der Deutschen Bücherei Leipzig wuchs im Berichtsjahr um rund 255.00 Einheiten auf insgesamt 10.420.000 Einheiten (ohne Sondermaterialien), der Bestand der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (einschließlich Deutsches Musikarchiv Berlin und GEMA-Notenbestand) um 264.283 auf insgesamt 8.653.003 Einheiten. Der Bestand der Online-Hochschulschriften stieg in der Deutschen Bücherei Leipzig um 3.371 auf 8.847 Einheiten, in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main um 3.857 auf 11.693 Einheiten.

Das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 konnte im Berichtsjahr 13 neue Nachlässe, Teilnachlässe und Sammlungen erwerben und viele bereits vorhandene Bestände mit wertvollen Neuzugängen erweitern. So zum Beispiel das historische Archiv der Wochenzeitung »Aufbau«, den Nachlass des Fotografen Eric Schaal und die Sammlung des Schriftstellers Kurt Hiller. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum bereicherte seine Bestände u. a. mit Originalzeichnungen bzw. Holzschnitten der Illustratorin Lieselotte Schwarz zu Henry Miller und Einzelblätter des Holzschneiders Johannes Lebek. Außerdem konnte das Museum historische Schreibgeräte der Sammlung Margit und Hans-Günter Kowalski übernehmen.

Bestandserhaltung

Die bereits im Jahr 2002 unter Leitung der Direktorin der Deutschen Bücherei Leipzig gegründete Arbeitsgruppe Bestandserhaltung befasste sich im Berichtsjahr schwerpunktmäßig mit dem Konzept einer Notfallplanung. In der Deutschen Bücherei Leipzig wurde eine Gefährdungsanalyse für das Haus erstellt und der Alarmplan und brandschutzrechtliche Gegebenheiten aktualisiert. Notfallpläne für die beiden anderen Standorte werden im Lauf dieses Jahres entsprechend ausgearbeitet.

Im Rahmen der Bestandserhaltung gedruckter Publikationen wurden 30.000 Kilogramm und damit 98.500 Bände im Verfahren der Massenentsäuerung behandelt. Zudem wurden 9.400 Blatt bei insgesamt 55 Büchern gespalten und die Bücher wieder aufgebunden. Allgemeine Bindearbeiten und Reparaturen wurden an 57.649 Objekten durchgeführt, restauriert wurden 1.578 Einzelblätter und 62 Bände.

Projekt Integration der Zeitschriftendaten Der Deutschen Bibliothek in die Zeitschriftendatenbank (ZDB)

Nach ausführlichen Analysen der Praktiken bei der Zeitschriftenbearbeitung durch Die Deutsche Bibliothek und die ZDB-Anwender wurde Ende 2003 entschieden, dass sich Die Deutsche Bibliothek weitestgehend den ZDB-Gewohnheiten anpasst und die von der ZDB verwendeten Regelungen »ZETA - Format und Konventionen für die Zeitschriften-Titelaufnahme in der Zeitschriftendatenbank« übernimmt. Das geplante Datenhaltungskonzept sieht einen gemeinsamen Datenbestand vor. Im Hinblick darauf wurden die Unterschiede in den Datenstrukturen untersucht und Lösungen für eine Anpassung der Datenstrukturen Der Deutschen Bibliothek erarbeitet. Der Arbeitsplan dieses Projektes sieht vor, dass Ende 2005 mit der Katalogisierung in die ZDB begonnen werden kann und der notwendige maschinelle Datenabgleich zeitnah zu diesem Termin erfolgen wird.

Forschungsprojekte

Nach intensiver Vorarbeit haben Die Deutsche Bibliothek, OCLC und die Library of Congress im August 2003 die Kooperationsvereinbarung für das gemeinsame Projekt »Virtual International Authority File« unterzeichnet. Am Beispiel der Personennamendatei (PND) und des Library of Congress Name Authority File (LCNAF) soll die Durchführbarkeit einer Idee nachgewiesen werden: an nationalen Normdateien verteilt und arbeitsteilig arbeiten, sie aber gemeinsam nutzen und über die Normdaten auch den Zugriff auf die jeweils zugehörigen Titeldaten ermöglichen. Dafür wurden von Der Deutschen Bibliothek insgesamt 4.085.646 Titeldatensätze aus den Jahren 1945 - 2003 und 5.022.315 Titeldatensätze des Bayerischen Bibliotheksverbundes sowie die mit den Titeldaten verknüpften 2.498.073 Normdatensätze der PND bereitgestellt. Im Rahmen des VIAF-Projekts konnten außerdem 1.511.029 Titeldaten aus dem Retro-Projekt der Deutschen Bücherei Leipzig mit der PND abgeglichen und zur Verfügung gestellt werden. Im Projekt werden zunächst aufgrund eines Abgleichs der gesamten Titeldaten der Projektpartner die sich entsprechenden Personensätze beider Normdateien zusammengeführt und daraus VIAF-Datensätze mit den sich entsprechenden Ansetzungsformen, identifizierenden Merkmalen und Normdatennummern von PND und LCNAF gebildet. Diese VIAF-Datenbank wird den »Crosswalk« zwischen PND und LCNAF und den damit verbundenen Titeldaten ermöglichen. In weiteren Projektphasen sind der Aufbau des VIAF-Servers, die Ermöglichung von Updates aus beiden Normdateien über ein Open-Archives-Initiative-Verfahren und die Öffnung für bibliothekarische Nutzer und Endnutzer geplant.

Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes DDC Deutsch ist die Anpassung der Dewey Dezimalklassifikation (DDC) an die Such- und Sprachgewohnheiten deutschsprachiger Benutzer und die Vergabe von DDC-Notationen für deutsche Veröffentlichungen. Neben einer Druckausgabe in der international üblichen Form wird eine am Original WebDewey orientierte deutschsprachige Web-Version erstellt. Das Projekt ist 2003 in die entscheidende Phase eingetreten. Nach Einspielung der Daten der DDC 22 konnte mit der Übersetzung der Haupttafeln und der Hilfstafel 2 (Geografische Namen) begonnen werden. Das Projektteam in Der Deutschen Bibliothek war an der technischen Weiterentwicklung des für die Übersetzung und die künftige Datenverwaltung der DDC genutzten Editionssystems beteiligt und konnte zahlreiche organisatorische Fragen klären. Seit Juli 2003 verfügt das Projekt über eine eigene Homepage zur aktuellen Information über den Projektverlauf und die DDC generell. Dort stehen auch die 1.000 obersten Klassen der DDC auf Deutsch zur Verfügung.

MACS (Multilingual Access to Subject Headings) beabsichtigt eine unmittelbare Verbindung zwischen den Schlagwörtern der drei umfassenden Schlagwortnormdateien RAMEAU, Library of Congress Subject Headings (LCSH) und Schlagwortnormdatei (SWD) herzustellen. Damit soll im deutsch-, englisch- und französischsprachigen Raum eine die Sprachgrenzen überschreitende sachliche Suche ermöglicht werden. Hierzu wurde zunächst ein Prototyp entwickelt, der die Funktionen eines Link-Management-Systems sowie eines Retrievalsystems mit einer eigens hierfür entwickelten Benutzeroberfläche bietet.

Im März 2002 startete das von der DFG geförderte Projekt »Crosskonkordanz Standard-Thesaurus Wirtschaft (STW) - Schlagwortnormdatei (SWD)«. Im Rahmen des Projektes soll die Verknüpfung der Schlagwortnormdatei (SWD) im Bereich Wirtschaft mit dem Standard-Thesaurus Wirtschaft (STW) erreicht werden, um eine integrierte Suche in Dokumentenbeständen zu ermöglichen, die mit diesen Thesauri inhaltlich erschlossen sind. Die Crosskonkordanz wird Suchfragen in das Vokabular des jeweils anderen Thesaurus übersetzen und gestattet damit eine erfolgreiche Schlagwortsuche in mehreren Datenbanken. Bibliotheks- und Fachinformationsnutzer können auf ihre jeweils vertraute Indexierungssprache zurückgreifen. Projektpartner sind als Träger der Thesauri Die Deutsche Bibliothek, das Hamburgische Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) und die Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (ZBW), weiterhin die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln in ihrer Eigenschaft als Sondersammelgebietsbibliothek für Betriebswirtschaft sowie die Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes in Göttingen.

Internationale Zusammenarbeit

Das EU-geförderte Projekt The European Library (TEL), an dem Die Deutsche Bibliothek als eine von acht europäischen Nationalbibliotheken beteiligt ist, konnte im Januar 2004 zu einem sehr erfolgreichen Abschluss geführt werden. Mit The European Library wird ein Service entwickelt, der eine integrierte Suche über die Sammlungen und Kataloge mit Verlinkung zu den angeschlossenen Dienstleistungen der beteiligten Bibliotheken bieten wird. Im TEL-Projekt wurde die Machbarkeit dieses Vorhabens untersucht. Die Projektpartner haben sich verständigt, die Ergebnisse innerhalb eines Jahres in einen funktionsfähigen Server zu überführen. The European Library wird unter dem Dach der Conference of European National Librarians (CENL) errichtet und den bisherigen Webservice der europäischen Nationalbibliotheken »Gabriel« integrieren. Langfristig wird eine Beteiligung aller in CENL vertretenen Bibliotheken erwartet.

Das IFLA-Programm Universal Bibliographic Control and International MARC (UBCIM), das bei Der Deutschen Bibliothek angesiedelt war, endete im Februar 2003. Während der 69. IFLA-Generalkonferenz in Berlin wurde mit der IFLA-CDNL Alliance for Bibliographic Standards (ICABS) ein neues strategisches Vorhaben für bibliografische Standards ins Leben gerufen. Mit ICABS streben die National Library of Australia, die Library of Congress, die British Library, die Koninklijke Bibliotheek und Die Deutsche Bibliothek gemeinsam mit der National Library of Portugal, der IFLA und der Conference of Directors of National Libraries (CDNL) die Fortsetzung der Koordination und Unterstützung von Schlüsselaktivitäten im Bereich der bibliografischen und der Ressourcen-Kontrolle sowie damit zusammenhängender Formatstandards an. Die ICABS-Vereinbarung gilt zunächst für drei Jahre. Danach soll eine Evaluierung erfolgen. Je ein Vertreter der beteiligten Institutionen und zwei Vertreter der IFLA werden einen ICABS-Beirat bilden, dessen Vorsitz rotiert. Die Deutsche Bibliothek hat sich bereit erklärt, diese wichtige Aufgabe während der ersten drei Jahre zu übernehmen und stellt damit für diesen Zeitraum auch das ICABS-Sekretariat.

Das Deutsche Musikarchiv Berlin gehört zu den 10 Gründungsmitgliedern eines neuen Netzwerkes: Standing Committee of European National Audiovisual Archives (SCENAA). Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Materialien aus audiovisuellen Archiven Europas zu schützen und nachfolgenden Generationen den Zugang zu diesen Medien zu sichern. In den Statuten von SCENAA ist die Kooperation in den Bereichen Erwerbung und Konservierung sowie bei der Normierung von Standards für den Zugang zu den Archiven festgelegt. Besonderes Augenmerk gilt Urheberfragen und der rechtlichen Behandlung des eigenen Materials.

Fachveranstaltungen

Die Sektion Katalogisierung der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) hatte unmittelbar vor der IFLA-Konferenz 2003 in Berlin vom 28. bis 30. Juli 2003 Regelwerksexperten aus Europa, Amerika und Australien zum »1st IFLA Meeting of Experts on an International Cataloguing Code« in die Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main eingeladen. Die Arbeitsstelle für Standardisierung war inhaltlich und als Organisatorin vor Ort in die Vorbereitung und Durchführung der Konferenz eingebunden. Im Rahmen der Veranstaltung wurde eine Anpassung der »Paris Principles« an heutige Erfordernisse unter Berücksichtigung der »Functional Requirements for Bibliographic Records« (FRBR) und »Functional Requirements of Authority Numbers and Records« (FRANAR) erarbeitet, die auf weiteren Expertentreffen im Vorfeld der IFLA-Konferenzen der nächsten Jahre diskutiert und weltweit abgestimmt werden soll.
Mitveranstaltet von der Deutschen Bücherei Leipzig tagte vom 7. bis 9. November die Arbeitsgruppe Frauen im Exil in der Gesellschaft für Exilforschung e. V. unter dem Titel: »Als Kind verfolgt: Anne Frank und die anderen« mit rund 70 Teilnehmern aus 10 Ländern in der Deutschen Bücherei Leipzig.
Vom 12. bis 14. November fand in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main die siebte Inetbib-Tagung statt. Das Organisationsteam bestehend aus der Universitätsbibliothek Dortmund, der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, der Stadtbücherei Frankfurt am Main, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung und der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main stellte ein abwechslungsreiches und interessantes Tagungsprogramm zusammen, das mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen aus dem Bibliotheks- und Informationswesen anzog.
Die Deutsche Bibliothek war 2003 mit einem Stand bei den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt und dem Weltkongress Bibliothek und Information in Berlin vertreten.

Kulturelles Programm

An allen drei Standorten wurde im Berichtsjahr wieder ein interessantes Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm angeboten, das hier nur in Auswahl aufgeführt wird.
Anlässlich der Leipziger Buchmesse fanden in der Deutschen Bücherei Leipzig zwei Lesungen mit dem Suhrkamp Verlag statt. Bernhard Echte stellte Robert Walser und die Edition seiner Mikrogramme 1924 - 1932 vor, György Konrád las aus seinem autobiografischen Roman »Glück«.
Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei Leipzig bereicherte die »Nacht der Leipziger Museen« mit einem umfangreichen Programm.
Große Resonanz beim Publikum und bei der Presse fand die Ausstellung »Buchgestaltung im Exil 1933 - 1950«, die vom 22. März bis 21. Juni in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main gezeigt wurde.

Ausblick

Eine wesentliche Aufgabe Der Deutschen Bibliothek ist, dafür zu sorgen, dass das »Gedächtnis der Nation« keine Lücken aufweist. Mit der Initiative zur Gesetzesnovellierung geht Die Deutsche Bibliothek einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg, auch im digitalen Zeitalter ihrer Verpflichtung nachzukommen. Ein weiteres Ziel wird es sein, sich auf die äußeren Rahmenbedingungen - finanzielle Vorgaben, Veränderungen im Informations- und Publikationsmarkt - einzustellen, damit Die Deutsche Bibliothek ihre Rolle im nationalen und internationalen Bibliothekswesen auch in Zukunft aktiv gestalten kann.

Letzte Änderung: 21.02.2012

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