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1945-1989

Die Deutsche Bücherei und die Deutsche Bibliothek von der Nachkriegszeit bis 1989

Bis zum 15. Februar 1946 werden rund 1,6 Mio. ausgelagerte Medien in die Deutsche Bücherei zurücktransportiert. Am 24. November 1945 wird sie wieder eröffnet. Am 17. August 1946 erscheint erstmals nach dem Krieg wieder die Reihe A der Deutschen Nationalbibliografie.


Ebenfalls 1946 wird die Neugründung einer deutschen Archivbibliothek mit Sitz in Frankfurt am Main initiiert. Der Vorschlag findet die Unterstützung der zuständigen Institutionen. Am 4. November 1946 erhält die Bibliothek den Namen Deutsche Bibliothek. Über kein eigenes Gebäude verfügend wird sie in Räumen der Stadt- und Universitätsbibliothek untergebracht und nimmt dort ihre Arbeit auf: Am 12. Dezember 1946 ist Redaktionsschluss für das 1. Heft der "Bibliographie der Deutschen Bibliothek, Frankfurt a.M.". 1947 wird Hanns Wilhelm Eppelsheimer erster Direktor der Deutschen Bibliothek. Der Bestand des Hauses umfasst ca. 14.000 Einheiten. Die Bibliothek wird juristisch eine Einrichtung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.
Damit existieren Ende 1946 zwei Bibliotheken mit Aufgabenstellung und Funktion von Nationalbibliotheken. Es erscheinen fortan zwei, inhaltlich nahezu identische nationalbibliografische Verzeichnisse. Am 19. März 1947 bestimmt eine Anordnung des Alliierten Kontrollrats die Deutsche Bücherei, die Deutsche Bibliothek und die spätere Deutsche Staatsbibliothek in Berlin zu Pflichtexemplarbibliotheken.


Am 2. Dezember 1950 wird das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, das 1884 in Leipzig als Buchgewerbemuseum gegründet worden war, der Deutschen Bücherei eingegliedert. Von 1952 bis 1958 erscheint das "Deutsche Bücherverzeichnis 1941-1950". Anordnungen vom 1. September1955 und 1. August 1960 regeln die Pflichtablieferung von Druckerzeugnissen an die Deutsche Bücherei neu: Druckerzeugnisse von DDR-Verlagen sind in zwei Exemplaren kostenlos abzuliefern.
1952 wird die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main zu einer Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt. Es beginnen Planungen für einen eigenen Bibliotheksbau: 1959 zieht die Deutsche Bibliothek mit 480.000 Medieneinheiten in den von 1956 bis 1959 errichteten Bau an der Zeppelinallee, der bis 1972 in zwei Ausbaustufen erweitert wird. Neuer Direktor wird 1959 Kurt Köster.


Am 1. Juli 1961 folgt in der Deutschen Bücherei Helmut Rötzsch als Hauptdirektor auf den seit dem 3. Oktober 1955 amtierenden Curt Fleischhack. In Leipzig stehen ebenfalls Baumaßnahmen an: Nach dem 1. Erweiterungsbau der Jahre 1934-1936 an der Südostseite folgt 1959–1964 der 2. Erweiterungsbau an der Nordwestseite des Gebäudes.


Im Oktober 1962 feiert die Deutsche Bücherei ihr 50-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr wird der Wiederaufbau des Verlegerkataloges für die Jahre 1913–1930 abgeschlossen. Der Gesamtbestand beläuft sich Ende 1965 auf 4,7 Mio. Medieneinheiten. Ab dem 1. Januar 1968 werden erstmals Dissertationen und Habilitationsschriften selbstständig in der neuen Reihe C der "Deutschen Nationalbibliographie" angezeigt.


Die Deutsche Bibliothek beginnt ab 1966 ihre Bibliografien mit EDV-Hilfe zu erstellen. Am 31. März 1969 beschließt der Deutsche Bundestag das "Gesetz über die Deutsche Bibliothek". Sie wird zur zentralen Archivbibliothek der Bundesrepublik Deutschland bestimmt.
Zum 1. Januar 1970 wird die bisherige Deutsche Musikphonothek in Berlin als "Deutsches Musikarchiv" der Deutschen Bibliothek eingegliedert. Am 21. Dezember 1970 wird die Verordnung über die Pflichtablieferung von Druckwerken an die Deutsche Bibliothek erlassen. Ihr folgt am 6. Juni 1973 die 1. Verordnung über die Pflichtablieferung von Musiknoten und -schallplatten an das Deutsche Musikarchiv.


Der Deutschen Bücherei wird am 1. September 1970 die Funktion der "Leit- und Koordinierungseinrichtung für Bibliographie und bibliographische Arbeit in der DDR" übertragen. 1971 beginnt sie die Deutsche Nationalbibliografie mit EDV-Hilfe herzustellen. Am 5. November 1971 erscheint das erste entsprechende Heft der Reihe C. Im Januar 1974 führt die Deutsche Bücherei die "Regeln für die Alphabetische Katalogisierung" (RAK) ein. Im September 1977 wird in der Bibliothek die nationale ISSN-Agentur der DDR eingerichtet, der ab 1. November 1985 die ISBN-Agentur folgt.


In der Deutschen Bibliothek wird 1974 in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein das CIP-Programm ins Leben gerufen. 1975 wird der Aufbau der Literatur-Datenbank BIBLIO DATA in Angriff genommen. 1976 wird Günther Pflug Generaldirektor der Deutschen Bibliothek.


Mit Datum vom 14. Dezember 1982 wird die Pflichtablieferung in der "Verordnung über die Pflichtablieferung von Druckwerken an die Deutsche Bibliothek" neu gefasst. Am 1. Januar 1987 tritt eine Neufassung der "Sammelgrundsätze der Deutschen Bücherei" in Kraft.


Am 9. Dezember 1982 wird in Leipzig der seit 1976 errichtete 3. Erweiterungsbau, der Magazinturm, in Betrieb genommen. Vom 29. bis 31. Oktober 1984 feiert das Deutsche Buch- und Schriftmuseum sein 100-jähriges Bestehen. Vom 28.September bis 3. Oktober 1987 begeht die Deutsche Bücherei ihr 75-jähriges Gründungsjubiläum.


In der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main wird 1988 Klaus-Dieter Lehmann Generaldirektor, der sich im Juli 1988 mit Helmut Rötzsch zu einem Arbeitsbesuch in Leipzig trifft. Die beiden Generaldirektoren vereinbaren gemeinsame Vorhaben zu Sammelprinzipien, zur Zusammenarbeit auf bibliografischem Gebiet und zu Normungsfragen bei der Inhaltserschließung. Darauf unternehmen im Herbst 1988 und Frühsommer 1989 Delegationen der beiden Bibliotheken zwei gegenseitige Arbeitsbesuche.
Nach dem Mauerfall werden im Dezember 1989 Strukturveränderungen in der Deutschen Bücherei vorbereitet. Der Gesamtbestand in Leipzig beläuft sich Ende 1989 auf 8,8 Mio. Medieneinheiten. Am 24. Januar 1990 treffen sich Delegationen beider Bibliotheken im Schloss Reinhardsbrunn bei Friedrichroda/Thüringen zu ersten Planungen für die Zukunft beider Häuser im vereinten Deutschland.

Last update: 18.02.2013

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